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Probleme bei der Privaten Krankenversicherung : Immer mehr PKV-Mitglieder im Basistarif

Privatversicherte mit vergünstigtem Basistarif haben oft Ärger mit Ärzten. Dennoch landen immer mehr Menschen in diesem Notbehelf.

Foto: Tobias Hase dpa
Behandlung nur mit Zusatzzahlung? Nicht alle Privatversicherten sind beim Arzt gern gesehen.Foto: DPA

Die Kostensteigerungen der privaten Krankenversicherung (PKV) machen im Alter offenbar immer mehr Mitgliedern zu schaffen. Darauf lässt die steigende Zahl derer schließen, die sich im sogenannten Basistarif der Privatversicherer befinden, der nicht teuer sein darf als der Höchstbeitrag einer gesetzlichen Kasse.

Nach Angaben der Bundesregierung, die dem Tagesspiegel vorliegen, wird dieses Angebot bereits von 32.214 privat Versicherten in Anspruch genommen – der höchste Stand seit Einführung des sogenannten Basistarifs im Jahr 2009. Das ist zwar noch immer nicht mal ein halbes Prozent aller 8,74 Millionen privat Vollversicherten. Es ist aber ein Problem, weil es immer wieder Beschwerden gibt, dass Ärzte und insbesondere Zahnärzte solche Patienten wegen niedrigerer Vergütung nicht oder nur mit Zusatzzahlungen behandeln.

Besonders oft betroffen sind ältere Menschen

Beim Basistarif handelt es sich um eine gesetzlich vorgeschriebenes Offerte aller Privatkassen, die nicht teurer sein darf als der Höchstbeitrag für gesetzlich Versicherte – aber eben auch keinesfalls mehr an Leistungen bietet. Den Angaben zufolge, die aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen stammen, stieg die Zahl der solcherart Versicherten seit Ende 2018 um weitere 314 Personen.

Besonders häufig finden sich in diesem Tarif ältere Menschen. Und auch der Anteil von nachgewiesenermaßen Hilfebedürftigen, deren Beitrag halbiert werden muss, hat dort zugenommen. Er erhöhte sich von etwas mehr als einem Drittel im Jahr 2011 auf inzwischen 59 Prozent aller Basistarif-Versicherten .

Grüne: Der Bundesregierung sind die Probleme egal

Im Basistarif seien zunehmend ältere und sozial benachteiligte Menschen versichert, sagte Grünen-Expertin Maria Klein-Schmeink dem Tagesspiegel. Diese seien „besonders schutzbedürftig“ und bräuchten eine verlässliche Absicherung für den Krankheitsfall. „Doch ist dies der Bundesregierung ganz offensichtlich ziemlich egal.“ Obwohl es Jahr für Jahr Beschwerden von abgewiesenen Versicherten besonders in der zahnärztlichen Versorgung gebe, blieben Jens Spahn und sein Ministerium „tatenlos“.

Was den Ärger solcher Versicherter mit Medizinern betrifft, berichten die Grünen von jährlich 40 Beschwerden allein wegen der zahnärztlichen Versorgung. Es sei aber „davon auszugehen, dass die Dunkelziffer höher liegt“, denn nicht alle Betroffenen würden in solchen Fällen aktiv. Die Unabhängige Patientenberatung hob in ihrem Bericht für 2018 solche Probleme immerhin besonders hervor und berichtete von „vielen Versicherten im Basistarif", die sich über Mediziner beschwert hätten. "Nicht selten lehnen Ärzte eine Behandlung ab oder fordern zusätzliche Zahlungen", heißt es in dem Bericht.

Regierung will Mediziner nicht zur Behandlung verpflichten

Tatsächlich gibt es keine direkte gesetzliche Verpflichtung der Ärzte und Zahnärzte, zu den im Basistarif gültigen Vergütungssätzen zu behandeln. Allerdings haben die Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen laut Sozialgesetzbuch den Auftrag zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung auch für Versicherte im Basistarif. Patienten können sich also an diese Vereinigungen wenden, um nach Ärzten zu fragen, die auch nach Basistarif behandeln. Hilft das nicht weiter, bleibt ihnen nur der Verweis auf die Aufsichtsbehörde. Eine ärztliche Behandlung erhalten die Ratsuchenden dadurch allerdings auch nicht.

In seiner Antwort auf die Grünen-Anfrage wandte sich Gesundheitsstaatssekretär Thomas Gebhart gegen eine ausdrückliche Behandlungspflicht von Medizinern für Patienten im Basistarif. Es gebe nicht genug Beschwerden, um eine solche gesetzliche Vorgabe zu rechtfertigen, lautete sein Argument. Auch bei einer überschaubaren Zahl von Betroffenen habe die Regierung für gute Versorgung zu sorgen, konterte Klein-Schmeink. Die Instrumente seien vorhanden, Spahn müsse „sich nur trauen, sich mit den Akteuren anzulegen“.

Die Antwort auf die Anfrage verdeutlicht übrigens auch sehr hübsch die unterschiedliche Risikostruktur der PKV-Unternehmen. So kommen etwa die Versicherer Central oder Signal Iduna auf einen überdurchschnittlichen Anteil von Basistarif-Versicherten. Bei der Debeka dagegen, die vor allem Beamte versichert, liegt die Quote deutlich unterm Durchschnitt. Die meisten Versicherten in den Basistarifen sind männlich (67 Prozent) und keine Beamten. Der Anteil von Beihilfeberechtigten beträgt nicht mal 18 Prozent.

Zahlenmäßig hat die DKV mit 4663 die meisten Versicherten im Basistarif. Die Debeka mit dreimal so vielen voll Krankenversicherten kommt, zum Vergleich, nur auf 2770.

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