• Proteste gegen Polizeigewalt in London: Anti-Rassismus-Demonstranten und rechte Gruppen geraten aneinander

Proteste gegen Polizeigewalt in London : Anti-Rassismus-Demonstranten und rechte Gruppen geraten aneinander

Trotz Warnungen haben sich in der Londoner Innenstadt Tausende Demonstranten versammelt. Es kam zu gewalttätigen Zusammenstößen.

Polizeibeamte geraten mit einem Demonstranten aneinander, der gegen eine «Black Lives Matter»-Demonstration protestiert.
Polizeibeamte geraten mit einem Demonstranten aneinander, der gegen eine «Black Lives Matter»-Demonstration protestiert.Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa

Bei neuen Anti-Rassismus-Protesten in London ist es am Samstag zu Zusammenstößen mit rechtsgerichteten Gegendemonstranten gekommen. Auf dem Trafalgar Square im Stadtzentrum gerieten zwei Gruppen von jeweils etwa 100 Personen aneinander und wurden von der Polizei getrennt. Die einen skandierten "Black lives matter" ("Schwarze Leben zählen"), die anderen riefen rassistische Bemerkungen.

Teilweise kam es zu Rempeleien. Flaschen und Dosen wurden geworfen, Feuerwerkskörper gezündet. Bereitschaftspolizei mit Hunden und Pferden marschierte auf. Nach Angaben der Behörden brachten manche Teilnehmer Waffen zu den Demonstrationen mit.

Auf dem Parliament Square versammelten sich Hunderte von Menschen in Fußballtrikots, die "England, England" riefen und sich als Patrioten bezeichneten. Sie bewachten dort das Londoner Kenotaph, ein Denkmal zu Ehren der in der Fremde gefallenen Soldaten.

"Meine Kultur wird angegriffen", sagte der Demonstrant David Allen. "Warum sollte Churchill zugebrettert werden? Warum wird das Kenotaph angegriffen? Das ist nicht in Ordnung."

In London kam es zu Auseinandersetzungen.
In London kam es zu Auseinandersetzungen.Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS / AFP

Auch in Paris sind tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um zu demonstrieren. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte die Schwester des 2016 bei einer Festnahme gestorbenen Adama Traoré. Sie verglich den Fall ihres Bruders mit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA. „Wir haben uns heute versammelt, um Polizeigewalt, gesellschaftliche Gewalt und ethnische Gewalt anzuprangern“, sagte Assa Traoré.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Krise live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können]

Rechte Gegendemonstranten entfalteten von einem Dach ein großes Transparent, auf dem sie den Demonstranten „Anti-Weißen-Rassismus“ vorwarfen. Es wurde jedoch vom Balkon der darunter liegenden Wohnung aus zerschnitten, vermutlich von den Anwohnern selbst.

Zuletzt waren Denkmäler attackiert worden

Die Tötung des Afroamerikaners George Floyd vor knapp drei Wochen bei einem Polizeieinsatz in den USA hat weltweit eine Protestwelle gegen Rassismus losgetreten. In Großbritannien gerieten dabei historische Persönlichkeiten ins Visier, die für die koloniale Vergangenheit des Königreichs stehen. So wurden zuletzt Denkmäler attackiert und als Konsequenz mit Brettern vernagelt.

In Bristol wurde die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston vergangenes Wochenende von Demonstranten ins Hafenbecken geworfen. Außerdem wurde ein Denkmal von Winston Churchill, der im Zweiten Weltkrieg Regierungschef Großbritanniens war, mit einem Graffiti besprüht, in dem er als Rassist bezeichnet wird. Premierminister Boris Johnson kritisierte dies als "absurd und beschämend". (afp/dpa)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!