• Protestverbot in Simbabwe: Polizei setzt Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein

Protestverbot in Simbabwe : Polizei setzt Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein

Wegen einer schweren Nahrungsmittelkrise gehen in Simbabwe tausende Menschen auf die Straße - trotz eines Protestverbots. Die Polizei reagiert mit Gewalt.

Bereitschaftspolizisten gehen in Harare gewaltsam gegen Demonstranten vor.
Bereitschaftspolizisten gehen in Harare gewaltsam gegen Demonstranten vor.Foto: Tsvangirayi Mukwazhi/AP/dpa

In Simbabwe hat die Polizei Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstranten eingesetzt, die trotz eines Protestverbots in der Hauptstadt Harare auf die Straße gegangen waren. Eine große Menschenmenge versammelte sich am Freitag auf dem zentral gelegenen Africa Unity Square, um gegen die sich verschlechternde Wirtschaftslage in dem südafrikanischen Land zu demonstrieren. Anhänger der Oppositionspartei Movement for Democratic Change (MDC) sangen Lieder gegen Polizeigewalt, als die Beamten sie mit Tränengas auseinandertrieben.

Die Polizei trieb auch eine Gruppe Demonstranten zusammen und schlug mit Schlagstöcken auf sie ein. Eine Frau wurde in einen Krankenwagen des Roten Kreuzes getragen. Die Menschen hätten "nur gesungen", fröhlich und friedlich, sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur AFP. "Sie haben die Anhänger eingekreist, kamen dann näher auf uns zu und fingen an, Menschen zu schlagen", erzählte sie weiter.

Dutzende Polizisten und Wasserwerfer kamen in den fortdauernden Straßenkämpfen mit Demonstranten im Einsatz. Der Platz der Afrikanischen Einheit liegt gegenüber des simbabwischen Parlamentsgebäudes. Hier hatten sich im November 2017 tausende Menschen versammelt und den Rücktritt des damaligen Präsidenten Robert Mugabe erzwungen.

Proteste gegen Regierung von Mugabes Nachfolger Mnangagwa

Die aktuellen Proteste richten sich gegen die Regierung von Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa. Seit dessen Amtsübernahme haben sich die Dinge in Simbabwe nicht zum Besseren gewendet. Es fehlt an Gütern des täglichen Bedarfs, die Preise sind sprunghaft angestiegen. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) hatte am Dienstag wegen der schweren Nahrungsmittelkrise in Simbabwe Alarm geschlagen. Rund fünf Millionen Menschen sind demnach dringend auf Hilfe angewiesen.

Die oppositionelle MDC hatte für Freitag große Protestmärsche geplant, welche die Polizei am Donnerstagabend jedoch verbot. Ein Versuch, das Verbot juristisch anzufechten, schlug fehl, die Opposition sagte die Kundgebungen daraufhin ab. "Es gibt keinen Unterschied zwischen Mnangagwa und Mugabe. Wir sind nach dem Staatsstreich im November vom Regen in die Traufe gekommen", sagte MDC-Vizepräsident Tendai Biti vor Journalisten in Harare.

Die Menschenrechtsorganisation Zimbabwe Human Rights NGO Forum hatte im Vorfeld der Proteste Entführungen mehrerer Aktivisten angeprangert, die von unbekannten Angreifern gefoltert worden seien.

Es waren die ersten Proteste seit Mnangagwa im Januar eine Erhöhung der Spritpreise angekündigt hatte. Damals waren bei Zusammenstößen von Demonstranten mit Polizei und Armee mindestens 17 Menschen getötet worden. (AFP)

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