Putin im Weißen Haus? : Trump lädt ein

Der US-Präsident will Wladimir Putin im Weißen Haus empfangen. Sein Umfeld reagiert entgeistert. Tag vier nach dem Gipfel in Helsinki.

US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.
US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.Foto: Leah Millis/REUTERS

Dan Coats hat viel gesehen. Er hat auch schwierige Zeiten mitgemacht. Unter dem Irak-Krieger George W. Bush war er Botschafter in Berlin, keine einfache Zeit für einen Diplomaten. Danach war er sechs Jahre lang Senator für den Bundesstaat Indiana, seit März 2017 koordiniert er nun die nationalen Geheimdienste für US-Präsident Donald Trump. Doch so etwas wie in diesen Tagen hat auch der gerade 75 gewordene Republikaner wohl noch nicht erlebt.

Was er darüber denkt, zeigt Dan Coats zunehmend offen. Zuletzt am Donnerstag beim Aspen Security Forum, der Sicherheitstagung in Colorado, wo sich Experten von Militär, Nachrichtendiensten und aus der Wirtschaft einmal im Jahr über die Risiken der Welt austauschen. Als die Moderatorin nach einem Blick auf ihr Handy die Eilmeldung vorliest, dass Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Herbst ins Weiße Haus einladen wolle, reagiert Coats ungläubig. „Sagen Sie das noch einmal“, entfährt es ihm. Und dann lacht er, es klingt gequält. „Das wird speziell.“ Nein, er habe davon nichts gewusst, gibt er zu Protokoll, auch wisse er bis heute nicht, was Trump und Putin bei ihrem zweistündigen Vier-Augen-Gespräch beredet hätten – wovon er im übrigen ohnehin nichts gehalten habe.

Putin war 2005 das letzte Mal in Washington

Dazu muss man wissen, dass Putin, den viele in Washington und auch Coats für gefährlich halten, 2005 das letzte Mal in Washington war, auf Einladung von George W. Bush. Seitdem haben sich die Beziehungen dramatisch verschlechtert, unter anderem wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine, der Annexion der Krim, der versuchten Hackerangriffe auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 und der wechselseitigen Sanktionen.

Beantworten Sie die Fragen und machen Sie mit bei der Aktion "Deutschland spricht":

Es sind unfassbare Szenen, die sich in diesen Tagen abspielen. Ein oberster Geheimdienstchef, der auch drei Tage nach einem der vielleicht folgenträchtigsten Treffen seines Dienstherren nicht über Details informiert ist, der diesem öffentlich widerspricht bei der Einschätzung, ob Russland sich in Wahlen einmische und welche Bedrohung von dem Land ausgehe – genauso wie wichtige Mandatsträger aus Trumps eigener Partei.

Die russische Seite weiß offenbar mehr über das Vier-Augen-Gespräch

Während in den USA selbst Trumps Vertraute im Dunkeln zu tappen scheinen, ist die russische Seite offenbar besser informiert. Bei ihrem Vier-Augen-Gespräch in Helsinki hätten Trump und Putin über den Ukraine-Konflikt beraten, hieß es am Freitag. „Dieses Problem ist diskutiert worden, konkrete Vorschläge wurden gemacht, um dieses Problem zu lösen“, sagte der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow.

Einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach Putin bei dem Treffen vorschlug, ein Referendum in den abtrünnigen ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk abzuhalten – ein aus ukrainischer Sicht infamer Vorschlag –, kommentierte der russische Diplomat zwar nicht. Er betonte auch, dass es bei dem Gipfel „keine Geheimabsprachen“ gegeben habe. Aber beruhigend wirkt das alles nicht auf die amerikanische Debatte.

Seit vier Tagen versucht Trump, mit seiner Sicht durchzudringen, dass Helsinki ein Erfolg war – und um ihn herum kehren Politiker parteiübergreifend die Scherben auf. Jüngstes Beispiel: Den Vorschlag Putins, US-Ermittler in Russland bei den Verhören angeklagter russischer Spione hinzuzuziehen, nannte Trump „ein unglaubliches Angebot“.

Dass im Gegenzug russische Ermittler amerikanische Staatsbürger verhören dürfen, darunter den früheren US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, hatte Trump zunächst ignoriert – bis sein Außenministerium diese Idee als absurd zurückwies. Dann lehnte auch er ab. Gerade noch rechtzeitig: Kurz darauf verabschiedete der Senat einstimmig eine Resolution, nach der US-Funktionsträger nicht von ausländischen Regierungen befragt werden sollten.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!