Raser : Aus dem Verkehr ziehen, bitte

Die neuen schärferen Strafmaße gegen Raser sollten unbedingt ausgeschöpft werden. Ein Kommentar.

Fahrzeugteile nach einem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße.
Fahrzeugteile nach einem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße.Foto: picture alliance / dpa

Seit einigen Monaten staunen die jugendlichen Raser in ihren PS-starken Karossen, wenn sie beim illegalen Autorennen erwischt wurden: Das Auto ist weg! Die Polizei nimmt es an sich und rückt es möglichst nicht wieder raus. Seit gut einem halben Jahr sind derlei Rennen nämlich eine eigene Straftat, das Auto ist Tatmittel, mit der Folge, dass es eingezogen werden kann. Gehört der Wagen dem Täter, dann geht das Eigentum daran auf den Staat über. Gehört es einem anderen – die Raser nehmen gerne Mietwagen – kann es sein, dass der Eigentümer entschädigt wird, allerdings nicht, wenn er mindestens leichtfertig zu der Verwendung des Autos als Tatmittel beigetragen hat. Recht so! Bisher kamen die jungen Raser, die sich vollkommen verantwortungslos verhielten und ihre Fahrkünste zudem maßlos überschätzten, oft recht glimpflich davon.

Die neue Rechtslage bietet den Strafverfolgungsbehörden gute Möglichkeiten, die Raser zu stoppen. Nun sollten sie ausgeschöpft werden. Günstig ist dabei, dass auch Einzelfahrer bestraft werden können, es also nicht unbedingt eines Rennens mit mehreren Teilnehmern bedarf. Denn im noch recht neuen Paragraphen 315 d des Strafgesetzbuchs heißt es: „Wer sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird (…) bestraft.“ Es braucht also nicht den sportlichen Aspekt eines Rennens, und im Unterschied zur alten Rechtslage macht man sich auch nicht nur an Kreuzungen und unübersichtlichen Stellen strafbar.

Noch nicht ausdiskutiert ist die Vorsatzfrage. Wenn einer durch die Innenstadt rast und rote Ampeln überfährt, muss er dann nicht mit Querverkehr rechnen und folglich auch damit, jemanden zu rammen, mit möglicherweise tödlichem Ausgang? Und ist es wirklich eine Entkräftung zu sagen, darin liege kein Vorsatz, denn es könne ja nicht unterstellt werden, dass derjenige in Kauf genommen habe, sich selbst zu verletzen?

Die jungen Männer fühlen sich allzu oft unverwundbar in ihren Autos, und sie machen sich offensichtlich nicht klar, was ihr Handeln bedeutet. Sie machen aus den Straßen der Stadt eine öffentliche Gefahrenzone. Dem muss mit maximaler Entschlossenheit entgegengetreten werden.

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