• Rassismus im Commonwealth: Prinz Harry fordert Debatte über britische Kolonialvergangenheit

Rassismus im Commonwealth : Prinz Harry fordert Debatte über britische Kolonialvergangenheit

Der Enkel der britischen Queen erklärt sich solidarisch mit der „Black Lives Matter“-Bewegung – und plädiert für einen kritischen Blick in die Geschichte.

Prinz Harry, Herzog von Sussex, und Meghan, Herzogin von Sussex.
Prinz Harry, Herzog von Sussex, und Meghan, Herzogin von Sussex.Foto: PA Media/The Queen's Commonwealth Trust/dpa

Prinz Harry und Herzogin Meghan haben sich in einer Videokonferenz am vergangenen Mittwoch solidarisch mit der „Black Lives Matter"-Bewegung erklärt und sich für einen systemischen Wandel ausgesprochen. Prinz Harry forderte dabei, das Commonwealth müsse sich mit seiner kolonialen Vergangenheit auseinandersetzen. „Wenn man das Commonwealth betrachtet, ist es unmöglich einfach weiterzumachen, ohne die Vergangenheit anzuerkennen", sagte der 35-Jährige.

Das Paar nahm an einer Videokonferenz des Netzwerks Queen's Commonwealth Trust (QCT) teil, das junge Führungspersönlichkeiten zusammenbrachte, die sich gegen Rassismus engagieren. Es fand als Reaktion auf die weltweiten Proteste im Zuge der „Black Lives Matter"-Bewegung nach dem Tod von George Floyd statt.

„Dank Black Lives Matter ist endlich eine Bewegung entstanden, die auf der ganzen Welt Gehör findet und Menschen nach Jahrzehnten und Jahrhunderten die Fehler im System erkennen lässt", sagte Harry. „So viele Menschen haben schon daran gearbeitet, die koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten. Aber es muss noch viel getan werden."

Weiße müssten akzeptieren, dass die Aufarbeitung unangenehm werde

Er wisse, dass es nicht leicht werde und an manchen Stellen auch unangenehm. „Aber nur so kommen wir da durch", sagte Herzogin Meghan in der Konferenz. „Dieser Prozess ist schmerzhaft und er war es schon lange."

Die Aktivistinnen und Aktivisten betonten, wie wichtig es für den Kampf gegen Rassismus sei, dass Weiße und Schwarze Menschen zusammenarbeiten und sich der Aktivismus Weißer nicht nur auf Posts auf den Sozialen Netzwerken beschränken dürfe. Sie müssten sich auf Gespräche außerhalb ihrer Komfortzone einlassen und sich Fehler eingestehen, ohne in eine Abwehrreaktion zu verfallen, wenn sie darauf angesprochen werden.

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Das Commonwealth ist ein loser Staatenbund, der aus Großbritannien und vielen ehemaligen Kolonien des britischen Empire besteht und dem Queen Elisabeth II. vorsitzt. Die 54 Mitgliedsländer machen mit ihren 2,4 Milliarden Einwohnern ein Viertel der Weltbevölkerung aus. Der Queen's Commonwealth Trust soll jungen Menschen aus diesen Ländern eine Austauschplattform bieten. Harry und Meghan stehen dem Netzwerk als Präsident und Vizepräsidentin vor.

Das Paar hatte sich dieses Jahr aus dem Königshaus zurückgezogen und eine gemeinnützige Organisation gegründet. Harry hatte dies unter anderem auch mit "rassistischen Untertönen" in der Medienberichterstattung über seine Frau begründet. Meghan hatte als Tochter eines weißen US-Amerikaners und einer Afroamerikanerin wiederholt von persönlichen Erfahrungen mit Rassismus berichtet. (mit AFP)

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