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Reaktion auf Raketen aus dem Gazastreifen : Israels Luftwaffe bombardiert Palästinensergebiet

Nach der Tötung eines Palästinenserführers durch Israel wird der Gazastreifen von einer Gewaltwelle erfasst. Die Hamas hält sich bisher raus aus dem Konflikt.

Ein palästinensischer Junge vor den Trümmern eines zerstörten Hauses im Gazastreifen
Ein palästinensischer Junge vor den Trümmern eines zerstörten Hauses im GazastreifenFoto: Reuters/Ibraheem Abu Mustafa

In Israel heulten wieder die Sirenen: Aus Vergeltung für die Tötung eines ihrer Anführer haben militante Palästinenser am Mittwoch erneut Dutzende Raketen nach Israel abgefeuert. Israels Luftwaffe bombardierte derweil in dem Palästinensergebiet pausenlos Ziele der Extremistengruppe Islamischer Dschihad.

Trotz zahlreicher Toter in ihren Reihen lehnte die Gruppierung nach der gezielten Tötung ihres Militärchefs Baha Abu Al Ata eine Waffenruhe vorerst zumindest ab.

„Es kann keine Gespräche über Ruhe geben, während die Straftaten israelischen Besatzung weitergehen“, sagte Ahmad al-Mudallal, führender Vertreter der Organisation. Die Vereinten Nationen zeigten sich beunruhigt über die Lage.

Israels Armee bringt schwere Geschütze an die Grenze

Am Mittwoch wurden bei israelischen Angriffen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 13 Palästinenser getötet. Nach palästinensischen Quellen handelte es sich bei den Toten um drei Zivilisten und zehn Mitglieder des Islamischen Dschihad. Damit steigt die Zahl der seit Beginn der neuen Gewaltwelle getöteten Palästinenser auf 23.

Die meisten wurden nach israelischen Angaben bei dem Versuch getötet, Raketen auf Israel abzufeuern. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden zudem mehr als 70 weitere Palästinenser verletzt.

Am Mittwoch kam es erneut zu massivem Raketenbeschuss auf israelische Ortschaften. Im Grenzgebiet sowie in der Küstenstadt Aschkelon heulten am Morgen Warnsirenen, wie die israelische Armee mitteilte. Die Nachrichtenseite ynet berichtete, die Armee habe zusätzliche Einheiten auch mit schwerem Geschütz ins Grenzgebiet verlegt.

Israel fängt Dutzende Raketen ab

Seit Dienstagmorgen haben militante Palästinenser nach Angaben des Verteidigungsministeriums mehr als 250 Raketen auf Israel abgefeuert. Dutzende davon wurden laut Armee von der Raketenabwehr Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Nach Angaben des Rettungsdienstes erlitten mehr als 60 Israelis Verletzungen.

Die militanten Palästinenser reagierten mit dem Beschuss auf die gezielte Tötung des Militärchefs Baha Abu Al Ata durch die israelische Luftwaffe. Auch seine Frau kam bei dem Überraschungsangriff in der Nacht zu Dienstag ums Leben.

Der UN-Nahostgesandte Nikolai Mladenov forderte ein sofortiges Ende des Beschusses israelischer Ortschaften. „Das wahllose Abfeuern von Raketen und Mörsergranaten auf Bevölkerungszentren ist absolut inakzeptabel“, sagte er laut einer Mitteilung. Die Vereinten Nationen bemühten sich um eine Deeskalation der Situation.

Aus Sicht israelischer Sicherheitskreise ist die Kernfrage nun, ob die im Gazastreifen herrschende Hamas sich den Attacken anschließen wird. Dann wäre eine noch deutlich größere Eskalation zu befürchten. Der Islamische Dschihad gilt zwar ideologisch als noch radikaler als die Hamas, militärisch aber schwächer. Die Extremistengruppe wird als gefährlicher und destabilisierender Faktor gesehen.

Islamischer Dschihad hat mehr als 10.000 Kämpfer im Gazastreifen

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beschrieb den gezielt getöteten Abu Al Ata als zentralen Drahtzieher vieler Raketenangriffe und Anschläge aus dem Gazastreifen seit letztem Jahr. Dabei agiert der Islamische Dschihad nach Einschätzung Israels häufig auch gegen klare Vorgaben der Hamas.

Auch Ägypten, gemeinsam mit den UN, bemüht sich nach israelischen Medienberichten, die Lage zu beruhigen und vermittelt intensiv hinter den Kulissen.

Der Islamische Dschihad wurde Ende der 1970-er Jahre durch palästinensische Studenten in Ägypten gegründet. Die Organisation wird von Israels Erzfeind Iran finanziert und hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. Ebenso wie die Hamas hat sie schon mehrfach blutige Terroranschläge in Israel verübt. Der Islamische Dschihad verfügt laut der Nahost-Expertin Dikla Cohen von der Hebräischen Universität in Jerusalem über rund 10.000 Kämpfer im Gazastreifen. Damit ist sie die zweitstärkste Extremistenorganisation nach der Hamas in dem Küstengebiet.

Netanjahu versicherte am Mittwoch Bewohnern des israelischen Grenzgebietes, man gehe hart gegen die militanten Palästinenser vor: „Terror-Anführer, Kommandeure und Aktivisten wissen, dass sie im Fadenkreuz sind und dass wir jederzeit und an jedem Ort gegen sie vorgehen können.“

TV-Reporter bekommt Lachanfall bei Bericht über Gaza

Derweil ist der heftige Lachanfall eines israelischen TV-Reporters bei einem Livebericht über fortwährende Raketenangriffe aus dem Gazastreifen ein Klick-Hit geworden. Tamir Steinman war seit Stunden im Einsatz, als ihm plötzlich ein Einwohner der israelischen Grenzstadt Sderot ins Bild lief. Steinman fing an zu lachen, und als der Mann ihn dann auch noch umarmte, konnte er sich nicht mehr halten.

„Ich habe erst versucht, normal weiterzureden, aber es ging einfach nicht“, erzählte der Reporter vom israelischen Kanal 12 am Mittwoch seinem Sender. Sein Lachanfall am Vortag sei „eine Art echter Befreiung während eines harten und langen Sendetags“ gewesen, sagte Steinman. Ein Video des Vorfalls kursierte am Mittwoch auf sozialen Medien des Landes. Steinman trägt es mit Fassung: Er freue sich, dass es die Zuschauer amüsiert habe. (dpa)

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