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Reaktionen auf US-Vorwahl in Iowa : Trump reagiert mit Häme – und sieht sich als Sieger in Iowa

Die globalen Medien zeigen sich schockiert über die Pannen bei der Iowa-Vorwahl. Es werden Auswirkungen auf die nächsten Vorwahlen der Demokraten erwartet.

Spottet über die Vorwahl in Iowa: US-Präsident Donald Trump (Archivbild)
Spottet über die Vorwahl in Iowa: US-Präsident Donald Trump (Archivbild)Foto: AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

Bei den US-Vorwahlen in Iowa konnte bisher noch kein amtliches Wahlergebnis präsentiert werden. Technische Probleme verzögern die Auszählung, mit einem Ergebnis wird im Laufe des Dienstags gewartet. Der US-Bundesstaat ist mit seinen drei Millionen Einwohnern zwar kein besonders gewichtiger Bundesstaat. Die US-Vorwahlen in Iowa gelten jedoch als relativ stabile der US-Präsidentschaftswahlen.

„New York Times“ aus den USA
Eingeführt wurde das Caucus-System vor 50 Jahren. Es ging dabei immer nur um eine Zahl: die Anzahl der demokratischen Delegierten aus den einzelnen Bezirken des Staates, so die „New York Times“. Doch 2016 lieferten sich Hillary Clinton und Bernie Sanders bei den US-Vorwahlen ein derart knappes Rennen, dass das Wahlverfahren geändert wurde. Dies veränderte und verlangsamte die Vorwahl enorm. Die Nutzung der App, die einige nicht herunterladen oder sich über sie anmelden konnten, erschwerte die Übermittlung der Zahlen noch zusätzlich, so das Blatt.

„Washington Post“ aus den USA
Das Caucus-System steht in der Kritik, berichtet die US-Zeitung „Washington Post“. Das Wahlsystem sei kompliziert, die Teilnehmer müssen zu sich zu einem festgelegten Zeitpunkt versammeln und mehrere Stunden bleiben, damit sich die Mehrheiten für die Kandidaten abbilden lassen. Arbeitszeiten oder private Verpflichtungen könnten dies einschränken, so die Zeitung. Ebenso sei die Wahl nicht geheim.

„Corriere della Sera“ aus Italien
„Eine Mehrheit in Iowa für Trump ist nicht in Stein gemeißelt. Der Unmut der Landwirte, die von chinesischen Zöllen betroffen sind, ist bekannt. (...) Wesentlich interessanter, wenn auch weniger sichtbar, sind die Fabrikarbeiter (14 Prozent der Beschäftigten) und die Lehrer und Schulangestellten (9 Prozent). Alles Gruppen, die 2016 für Trump gestimmt hatten. Sind dies die neuen sozialen Kräfte, die auf Sanders hoffen?“

Unterstützer von Bernie Sanders sitzen an der Roosevelt High School in Des Moines, Iowa, auf dem Boden.
Unterstützer von Bernie Sanders sitzen an der Roosevelt High School in Des Moines, Iowa, auf dem Boden.Foto: AFP/Chip Somodevilla


„Le Monde“ aus Frankreich
„Die Demokraten müssen zwischen Vernunft und Wunschbild entscheiden. Denn die Haltung der demokratischen Parteianhänger entspricht nicht unbedingt der der Wählerschaft. Das hat schon die Niederlage Hillary Clintons bei der Präsidentschaftswahl 2016 gezeigt.“

„Süddeutsche Zeitung“
Chaotische Zustände bescheinigt auch die „Süddeutsche Zeitung“ den US-Demokraten. Vor allem das komplizierte Proporzverfahren – „Caucus“ genannt – sei wohl Schuld gewesen an den Panne rund um die Auszählung.

„SPIEGEL Online“
Das Durcheinander der Wahlauszählung in Iowa hätte zu bizarren Szenen geführt, berichtet „SPIEGEL Online“: Während es hinter den Kulissen der jeweiligen Wahlkampfteams noch hoch her ging, hätten sich die Kandidaten selbst vor ihren Anhänger zu Siegern erklärt. So verkündigten die Kandidaten Bernie Sanders und Pete Buttigieg, dass sie die Wahl gewonnen hätten. Dana Remus, Chefjustiziarin des Wahlkampfteams von Joe Biden, hätte zudem einen bösen Brief an die Landespartei der Demokraten geschickt. Darin beschwert sie sich über die App sowie das Telefonsystem, das eigentlich als Notfall-Lösung gedacht war und trotzdem versagt habe. Sie verlangte, dass vor der Veröffentlichung der amtlichen Endergebnisse das Biden-Team noch einmal konsultiert werde.

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Die Demokratische Partei habe sich blamiert, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Vor allem die selbsternannten Sieger – Bernie Sanders und Pete Buttigieg – könnten sich bei einer Falschaussage um die Glaubwürdigkeit bringen. Die Demokraten dürfte das Debakel für die nächsten Vorwahlen in den US-Bundesstaaten New Hampshire, Nevada und South Carolina ordentlich Schwung gekostet haben, berichtet die Zeitung.

Trump sieht sich als Sieger

Präsident Trump reagiert mit Häme. Das Caucus-System sei eine "ungeheure Katastrophe". "Nichts funktioniert, genau so wie sie das Land reagiert haben", schreibt der US-Präsident auf Twitter. Er sei der Einzige, der sich in Iowa als großer Sieger fühlen könne.


Auf Twitter lästerte der linke Aktivist Markos Moulitsas über Bidens Team: „Er weiß, dass er schlecht abgeschnitten hat.“ Bidens Team wolle mit der Beschwere die Endergebnisse bis zu den nächsten Vorwahlen in New Hampshire hinauszögern, so Moulitsas.

Weiterer Spott folgte in den sozialen Medien: „Trump lacht sich schon kaputt“, twitterte Meghan McCain, Tochter des verstorbenen republikanischen Senators John McCain.

Der rechte Publizist Ben Shapiro lästerte auf Twitter, er freue sich schon auf die Behauptung der Demokraten, die Wahl in Iowa sei von den Russen gehackt worden. Außerdem schrieb er: „Keine Sorge, Demokraten, Robert Muller wird der Sache auf den Grund gehen.“

Muller war zwischen 2017 und 2019 Sonderermittler zur russischen Einmischung in den US-amerikanischen Wahlkampf. (Tsp mit dpa, AFP)

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