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Regionale Corona-Ausbrüche : Spahn warnt vor bundesweiter Gefahr durch Gütersloh

Der Bundesgesundheitsminister hält den Gütersloh-Lockdown für nötig „zum Schutz aller im Bundesgebiet“. Das Coronavirus könne sich schnell ausbreiten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens SpahnFoto: Hannibal Hanschke/REUTERS

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor der bundesweiten Gefahr durch regionale Corona-Hotspots gewarnt. „Wenn man es diesem Virus zu leicht macht, dann breitet es sich auch ganz schnell wieder aus“, sagte er am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“.

Er habe zwar Verständnis für Unmut in der Bevölkerung: „Ich verstehe die Enttäuschung, die Sorgen und auch die Wut sehr gut.“ Dennoch seien die Maßnahmen nötig, um die Bevölkerung nicht nur in den betroffenen Kreisen zu schützen, sondern „zum Schutz aller im Bundesgebiet“. Heinsberg und auch die österreichischen Skigebiete hätten gezeigt, „wie schnell aus lokalem Geschehen dann auch bundesweites werden kann“.

Bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh hatten die Behörden in der vergangenen Woche einen massiven Corona-Ausbruch registriert. Dort wurden mehr als 1550 der etwa 7000 Beschäftigten positiv auf das Coronavirus getestet. In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten nun unter anderem wieder strenge Kontaktbeschränkungen.

Restaurant in Rheda-Wiedenbrück
Restaurant in Rheda-WiedenbrückFoto: REUTERS

Die neuen Corona-Beschränkungen für die Landkreise Gütersloh und Warendorf sind um Mitternacht in Kraft getreten. Betroffen sind insgesamt rund 640.000 Einwohner. Das Tönnies-Werk Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh gilt als Ausgangspunkt des Ausbruchs, auch im Raum Warendorf wohnen viele Tönnies-Mitarbeiter.

Im öffentlichen Raum dürfen nun nur noch zwei Menschen oder Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund zusammentreffen, wie die Landesregierung am Dienstag mitgeteilt hatte. Zudem sollen eine Reihe von Freizeitaktivitäten unterbleiben. 

So müssen zum Beispiel Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen vorübergehend werden. Die Vorschriften für die neuen Einschränkungen gelten zunächst für eine Woche bis zum 30. Juni.

Vertreter beider Kreise sprachen von einem „Lockdown light“, da Geschäfte und Restaurants weiter geöffnet bleiben dürfen. Er nenne die Maßnahmen „Lockdown soft oder Lockdown light“, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). „Wenn man das vergleicht mit dem, was wir im März hatten, ist das was, mit dem man sich arrangieren kann. Längst nicht so hart und nur auf eine Woche begrenzt.“

Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen Bürger aus Corona-Risikogebieten nur noch unter strengen Auflagen einreisen lassen. In Schleswig-Holstein sollen sie sich künftig nach der Einreise zwei Wochen in Quarantäne begeben. 

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Auf der Insel Usedom waren Urlauber aus dem Kreis Gütersloh schon am Montag aufgefordert worden, Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen. In einer Telefonkonferenz wollen die Gesundheitsminister der Länder an diesem Mittwoch über eine einheitliche Linie im Umgang mit Reisenden beraten.

Laschet warnt vor Stigmatisierung

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte davor, Urlauber aus dem Kreis Gütersloh zu stigmatisieren. „Die Botschaft an alle, die jetzt auf Gütersloh schauen: Es sind außerhalb der Beschäftigten in der Fleischindustrie so gut wie keine Fälle bisher bekannt“, sagte er am Dienstagabend in der ARD.

Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) verteidigte die Beschränkungen für Urlauber aus Corona-Risikogebieten dagegen als unbedingt notwendige Sicherheitsmaßnahme für alle Beteiligten. „Wir möchten nicht, dass der Urlaub in Bayern für viele Leute unsicher wird“, sagte er in der ARD und im Bayerischen Fernsehen.

In Bayern dürfen Beherbergungsbetriebe künftig keine Menschen mehr aufnehmen, die aus einem Landkreis einreisen, in dem die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100 000 Einwohner liegt. Ausnahmen soll es nur für jene geben, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen könnten. Im Kreis Gütersloh war die sogenannte 7-Tages-Inzidenz zuletzt auf einen Wert von weit über 200 gestiegen.

Tests in Gütersloh und Warendorf werden ausgeweitet

Mit Inkrafttreten der strengen Regeln werden in den Landkreisen Güterloh und Warendorf die Corona-Tests deutlich ausgeweitet. Laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sollen Bewohner und Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen, Mitarbeiter der Krankenhäuser, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Kioskpersonal durchgetestet werden. 

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Das gilt auch für die Beschäftigten von Unternehmen und Subunternehmen, die zentrale Gemeinschaftsunterkünfte betreiben oder viele Werkvertragsarbeitnehmer beschäftigen.

Alle Bürger der beiden Kreise sollen die Möglichkeit erhalten, sich kostenlos testen zu lassen. Mehr als 1500 Tönnies-Beschäftige sind nach bisherigen Angaben des Kreises Gütersloh nachweislich infiziert. Rund 7000 Mitarbeiter wurden schon vor den Tests unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden im Kreis Gütersloh schon vor Tagen alle Schulen und Kitas vorsorglich geschlossen.

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In Bulgarien wurden inzwischen drei heimgekehrte Tönnies-Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt. Sie seien in Deutschland auf das Coronavirus getestet worden, wüssten aber nicht, wie die Tests ausgefallen seien, sagte der Bürgermeister des südwestbulgarischen Beliza, Radoslaw Rewanski, am Dienstagabend dem Fernsehsender bTV. Sie sollen nun an diesem Mittwoch erneut getestet werden. (dpa)

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