Rente : "Wer kommt noch auf 45 Beitragsjahre?"

Sozialverbände und Experten sehen in der am Feitag entschiedenen Rente mit 67 eine Kürzung der Altersbezüge. Der Sozialverband VdK kritisierte, die gesetzliche Rente drohe auf das Niveau einer Grundsicherung abzusinken.

Hamburg - Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen sagte, wer die Rentenkürzungen ausgleichen wolle, müsse zugunsten der Altersvorsorge auf Konsum verzichten. VdK-Präsident Walter Hirrlinger sagte: "So geht das nicht weiter." Eine ganze Generation werde allmählich vom gesellschaftlichen Wohlstand abgekoppelt. "Wir brauchen wieder wirkliche Rentenerhöhungen, die den Lebensstandard sichern", forderte Hirrlinger. Wegen der Rente mit 67 werde es für viele Menschen immer unwahrscheinlicher, ohne lebenslange Abschläge in den Ruhestand zu gehen. "Wer kommt heute schon noch auf 45 Beitragsjahre?", fragte er.

Die Einführung der Rente mit 67 müsse an Bedingungen geknüpft werden, mahnte Hirrlinger. "Sie darf nur kommen, wenn im Jahr 2010 mindestens mehr als die Hälfte der 55- bis 65-Jährigen einen Arbeitsplatz hat. Die Menschen müssen so lange arbeiten dürfen, wie sie wollen und können", verlangte Hirrlinger.

Experte bezweifelt Höhe der Rente

Raffelhüschen sagte, als die Rente mit 67 vor vier Jahren in der Rürup-Kommission vorgeschlagen wurde, sei offen von einer Rentenkürzung gesprochen worden. Allerdings reichten die vier Prozent des Einkommens zum Ausgleich nicht aus, die bei der Riester-Reform im Alterseinkünftegesetz als Sparleistung unterstellt sind. "Man muss zirka sechs bis sieben Prozent zurücklegen, um das auszugleichen, was die Rentenversicherung nun nicht mehr verspricht. Wer diese Summe zurücklegt, kann seinen Lebensstandard im Alter sichern", erläuterte der Rentenexperte. Das gelte für 30-Jährige ebenso wie für 50-Jährige.

Raffelhüschen zeigte sich zufrieden mit dem Beschluss des Bundestags zur Rente mit 67. "Die Rente ist jetzt wieder sicher, aber nicht mehr ganz so hoch", sagte er. Für ihn sei die Rente mit 67 "das letzte i-Tüpfelchen" gewesen, um den Aufstand der Jungen im Jahr 2030 zu verhindern. (tso/ddp)

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