Roboter am Bett des Patienten? : „Menschen, nicht Algorithmen sollen entscheiden“

Beim Tagesspiegel-Fachforum ging es am Dienstag um die Zukunft des Gesundheitswesens. Noch spielen Roboter eine geringe Rolle.

Der an der Universität Siegen 2018 programmierte Pflegeroboter soll eine gesellschaftliche Diskussion anregen.
Der an der Universität Siegen 2018 programmierte Pflegeroboter soll eine gesellschaftliche Diskussion anregen.Foto: Stratenschulte/dpa

Werden Roboter bald Pflegekräfte ersetzen? Digitalisierung im Allgemeinen und Robotik im Besonderen werden im Gesundheitswesen eine größere Rolle spielen – darin waren sich beim Tagesspiegel-Fachforum am Dienstag alle Experten einig. Der Bundespflegebeauftragte, Andreas Westerfellhaus (CDU) sagte: An einer digitalisierten Pflege führe kein Weg vorbei – Standesdünkel und politische Bedenken dürften den Fortschritt nicht aufhalten.

Wichtig sei, das Fachpersonal gut zu schulen. „Und ein Roboter wird keine Pflegekraft ersetzen“, sagte Westerfellhaus. „Sondern bestimmte Arbeiten erleichtern. Menschen, nicht Algorithmen sollen über einen Patienten entscheiden.“

Über den Stand der Robotik debattierten im Tagesspiegel-Forum auch Start-up-Gründer und Ärzte. „Noch spielen Künstliche Intelligenz und Robotik bei Operationen eine geringe Rolle“, sagte Peter Vajkoczy, Direktor der Charité-Klinik für Neurochirurgie. Auch im Umgang mit den Massen an Patientendaten – Big Data – stehe Deutschland noch vor einer „nationalen Herausforderung“.

Die USA seien, so der allgemeine Tenor des Abends, da oft weiter. Google hat eigenen Angaben zufolge gerade seinen größten Cloud-Computing-Kunden im Gesundheitswesen unter Vertrag genommen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, schloss sich Google mit dem zweitgrößten Gesundheitssystem in den USA, Ascension, zusammen.

Bundespflegebeauftragter Andreas Westerfellhaus (CDU).
Bundespflegebeauftragter Andreas Westerfellhaus (CDU).Foto: Robert Schlesinger

Die Zusammenarbeit soll schon seit 2018 laufen. Die Partnerschaft der Unternehmen würde Anwendungen für Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen untersuchen, um die klinische Wirksamkeit und Patientensicherheit zu verbessern, erklärte Ascension.

Mit dem Geschäft gewinnt Google Zugang zu Daten, die bei der potenziell lukrativen Entwicklung von KI im Gesundheitswesen hilfreich sein können. Durch das Projekt „Nightingale“ (Nachtigall) erhält Google Zugriff auf gesundheitsbezogene Informationen von Millionen US-Bürgern in 21 Bundesstaaten: Laborergebnisse, Diagnosen, Krankenhausaufenthalte. (mit HB)

Das Tagesspiegel-Fachforum Gesundheit widmet sich am 10. Dezember 2019 dem Thema: „Wie gelingt eine digitale und innovative Versorgung?" - im Tagesspiegel-Haus, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin.

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