Ruthenium-Wolke über Europa : Forscher lösen Rätsel um Atom-Unfall

Vor zwei Jahren zog radioaktives Ruthenium über Deutschland. Jetzt haben Forscher die Quelle gefunden. Es soll die Atomanalage Majak in Russland sein.

Arbeiter der Atomanlage Majak in der Wiederaufbereitungsanlage abgebrannter Brennelemente. (Archivbild)
Arbeiter der Atomanlage Majak in der Wiederaufbereitungsanlage abgebrannter Brennelemente. (Archivbild)Foto: imago/ITAR-TASS

Ein abgestürzter Satellit ist also nicht verantwortlich für die auffälligen Werte der radioaktiven Substanz Ruthenium-106, die europäische Messstationen im Oktober 2017 aufschreckten. Eine leicht erhöhte Belastung wurde damals auch in Deutschland gemessen. Eine Gesundheitsgefahr soll hierzulande aber nicht bestanden haben. Die Ursachensuche führte schnell in den russischen Ural, wo die berüchtigte Atomanlage Majak steht. In der Vergangenheit hatten sich dort wiederholt Zwischenfälle ereignet, im Jahr 1957 sogar der bis dato schwerste Unfall der Atomgeschichte. Russland aber dementierte ein Ruthenium-Leck, brachte stattdessen einen defekten Satelliten als mögliche Ursache ins Spiel. Die Majak-Betreiber erklärten, es habe keinen neuerlichen Zwischenfall gegeben.

Jetzt haben 69 internationale Wissenschaftler aus 47 Institutionen einen Bericht vorgelegt, der die Ruthenium-Quelle sehr wohl im südlichen Ural verortet. Vieles weise darauf hin, dass es dort einen Unfall gegeben habe, schreiben sie im Fachmagazin PNAS der US-nationalen Akademie der Wissenschaften. Die Forscher analysierten 1300 Messwerten aus der Atmosphäre und vom Boden in Europa und Asien. Die Wiederaufbereitungsanlage Majak müsse als „wahrscheinlicher Kandidat“ betrachtet werden, schlussfolgert das Expertenteam. Es nimmt an, dass das Ruthenium aus einer Wiederaufbereitung von zwei Jahre alten abgebrannten Kernbrennstoffen stammt.

Einer der Hauptautoren ist der Radioökologe Georg Steinhauser von der Universität Hannover. Er schloss in einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ nicht aus, dass es am Ort des Unglücks auch „Personenschäden“ gegeben habe. Ein Vorfall hätte außerdem der Internationalen Atomenergie-Organisation gemeldet werden müssen, kritisiert er. Die russische Atomaufsichtsbehörde Rosatom teilte nach dem Bericht indes einmal mehr mit, der Nuklearkomplex Majak sei nicht für die Verseuchung verantwortlich.

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