zum Hauptinhalt
Ein Seismograph in Dänemark zeigt starke Ausschläge am Montag.
© REUTERS / German Centre for Georesearch

Sabotage an Nord-Stream-Leitungen: Was für eine „False Flag“-Aktion Russlands spricht – und was dagegen

Die Hinweise auf einen gezielten Anschlag auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 verdichten sich. Unklar bleibt, wer eine solche Sabotage-Aktion ausgeübt haben könnte.

Schaumteppiche auf der Ostsee, Seismografen schlagen aus - an den beiden Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 waren am Montag innerhalb kürzester Zeit drei schwere Lecks in dänischem und schwedischen Gewässer festgestellt worden. 

Die genaue Ursache dafür ist bisher unklar. Westliche Sicherheitsexperten gehen jedoch von einer Sabotageaktion aus und auch die Bundesregierung vermutet, dass es sich um einen gezielten Anschlag gehandelt hat. 

Verantwortlicher bleibt unklar

Unklar ist, wer eine solche Aktion zu verantworten haben könnte. Zwei grundsätzliche Theorien werden derzeit diskutiert: Einerseits könnte die Ukraine, beziehungsweise ein mit der Ukraine verbündetes Land dafür verantwortlich sein. 

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Ein wichtiges Motiv könnte hier eine endgültige Stilllegung der Gasversorgung durch die Ostsee sein. Denn mit der Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines wären Gaslieferungen von Russland nach Zentraleuropa künftig ausschließlich über Polen oder das ukrainische Pipeline-Netz möglich.

Schaum auf der Ostsee deutet auf das Leck in den Pipelines hin.
Schaum auf der Ostsee deutet auf das Leck in den Pipelines hin.
© Ritzau Scanpix/via REUTERS / RITZAU SCANPIX

Andererseits ist eine sogenannte „False Flag”-Operation Russlands denkbar. Polen etwa erklärte bereits am Dienstag, eine russische Provokation als Hintergrund für möglich zu halten.

Drastischer formulierte es der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljakr. „Das großflächige ‘Gasleck’ an Nord Stream 1 ist nichts anderes als ein von Russland geplanter Terroranschlag und ein Akt der Aggression gegenüber der EU”, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. 

Welche Motive könnte Russland für eine Sabotage haben?

Auf den ersten Blick scheint es nicht logisch, dass Russland sein wichtigstes Druckmittel auf den Westen selbst zerstören würde. Denkbar ist jedoch, dass die Sabotage genau als solche verwendet wird.

Bereits Ende August stellte Russland die restlichen Gaslieferungen durch Nord Stream 1 ein - angeblich wegen notwendiger Reparaturen und einer fehlenden Turbine. Expert:innen und die Bundesregierung vermuteten jedoch, dass Russland die Pipeline als Mittel nutzt, um den Gaspreis im Westen künstlich in die Höhe zu treiben.

Wartungsarbeiten als Begründung halten aber nicht ewig. Würde Russland weiterhin kein Gas liefern, würde das Land vertragsbrüchig. Deutschland, das derzeit versucht, von russischem Gas unabhängig zu werden, könnte damit die teilweise noch langfristigen Lieferverträge ohne Strafe kündigen. Dies greift jedoch nicht, wenn Russland auf Grund kaputter Leitungen nicht liefern kann.

Reparaturen könnten ein Aussetzen der Sanktionen erfordern

Desweiteren könnte ein Anschlag Russlands der Zeitung “Die Presse” zufolge ein Umgehen der Sanktionen bewirken. Denn um die Reparaturen durchführen zu können und Aufträge zu vergeben, könnte die Nord-Stream-Gesellschaft argumentieren, Zugriff auf ihre Finanzen zu brauchen. 

Auch der britische Verteidigungsexperte H.I. Sutton hält eine russische Sabotageaktion für möglich. Dafür sprächen die Umstände: Die Lecks befinden sich in einer Wassertiefe von rund 70 Metern. Dies wäre Sutton zufolge durchaus noch tauchbar, wie er auf Twitter schrieb. Dazu liegt der Ort der Lecks etwa zwölf Seemeilen von der Insel Bornholm entfernt, wo die “ausschließliche Wirtschaftszone” als umstritten gilt. Weder Schweden noch Dänemark machen einen Angriff auf kritische Infrastruktur auf ihrem Territorium geltend.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Russland weist derartige Vorwürfe zurück, hält selbst aber eine Sabotageaktion für möglich. Es könne “keine Variante ausgeschlossen werden”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die anstehenden Untersuchungen dürfen in den kommenden Tagen erste Erkenntnisse bringen.

Kein kurzfristiges Risiko für die deutsche Gasversorgung

Auf die Versorgungssicherheit in Deutschland haben die Lecks keine Auswirkung, wie die Bundesnetzagentur erklärt. Durch Nord Stream 1 fließt bereits seit Ende August kein Gas mehr und die Pipeline Nord Stream 2 war zwar mit Gas befüllt, ging jedoch nie in Betrieb.

Die Gas-Speicherstände steigen trotz der seit vier Wochen beschickten Pipeline weiter kontinuierlich an. Sie liegen der Behörde zufolge aktuell bei rund 91 Prozent.

Zur Startseite