Satire : Haben Russen eine Falschmeldung über die Grünen verbreitet?

Ein Satireportal mit russischen Verbindungen hat sich über die Grünen lustig gemacht und eine Falschmeldung verbreitet. Eine Glosse über Fake News.

Nein, die Grünen wollen uns Weihnachten nicht vermiesen. Hinter einer Falschmeldung stehen mutmaßlich russische Quellen.
Nein, die Grünen wollen uns Weihnachten nicht vermiesen. Hinter einer Falschmeldung stehen mutmaßlich russische Quellen.Foto: Clara Margais/dpa

Einen Moment lang war er da, der Traum jedes deutschen Glossen-Autors: Die Grünen wollen uns die Weihnachtskerzen verbieten! Oh, das würde sich von selbst schreiben, der schlecht frisierte Hofreiter im Öko-Wahn, dazu KGE, die ihren Protestanten widerstrebend den Umstieg auf LED-Licht… Aber leider, es war eine Falschmeldung. Kein Grüner, der noch alle Nadeln am Baum hat, würde sich ernsthaft an der deutschen Weihnacht vergreifen.

Dabei: So abwegig klang das nicht. Denn der Verantwortliche für die Konstruktion eines Autos, das so viel Schadstoffe ausstößt wie ein Adventskranz, würde zweifellos bei Wasser und trockenem Brot in Ketten gelegt und dazu verurteilt, sich 24 Stunden am Tag Presseerklärungen von Jürgen Resch vorlesen zu lassen. Es war deshalb auch kein Wunder, dass Armin Laschet, der CDU-Ministerpräsident von NRW, ebenso wie ein paar Journalisten auf den Jux reinfiel und erbost twitterte: „Weihnachten ade. Die Verbotspartei schlägt wieder zu.“ Nur dass die diesmal wirklich unschuldig war.

Selbsternanntes Satireportal

Wo kam die Meldung her? Psst: Die Russen waren es. Mit Erschaudern lesen wir im Netz: Die Quelle berliner-express.com sei ein „selbst ernanntes Satireportal mit Briefkastenadresse auf den Seychellen“, das in Wirklichkeit auf den Philippinen betrieben werde, und zwar von einem Österreicher mit Verbindung zu russischen Staatsmedien. Laschet sei also auf „rechte Hetze“ reingefallen. Alles klar! Putin gibt die Weisung aus, es diesen Grünen zum Advent mal so richtig destabilisierend zu besorgen, und schon liefert ein Ösi auf den Seychellenphilippinen den passenden Schmäh.

Ein paar Fragen wären dennoch zu stellen an diese Verschwörungskomödie. Gibt es denn eine deutsche Behörde, die Satireportale amtlich ernennt und damit zum Gelesenwerden freigibt? Gilt fortan jeder, der den Hofreiter Toni durch den Kakao zieht, als rechter Hetzer? Und was wäre geschehen, wenn die Falschmeldung von einer in Sachen Russland unbedenklichen deutschen Quelle wie dem „Postillon“ oder der linken „Titanic“ verbreitet worden wäre?

Keine Frage, die Russen spielen das Propagandaklavier mit Lust und Können. Aber deutsche Politiker fallen auch ohne sie gern mal auf die Nase.

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