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Saudi-Arabien : Abschuss von Spielzeugdrohne führte zu Putsch-Gerüchten

Videos im Internet dokumentieren Schüsse in der saudischen Hauptstadt Riad. Der Zwischenfall nahe dem Königspalast war jedoch vergleichsweise harmlos.

Standbild aus einem Video aus Riad
Standbild aus einem Video aus RiadFoto: Screenshot

Schüsse in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad haben am Samstagabend zu Aufregung und Besorgnis geführt - und damit ein Schlaglicht auf die angespannte Lage im Land und der Region geworfen. Auf Videoaufnahmen, die im Kurznachrichtendienst Twitter kursierten, waren zahllose Salven zu hören. Sie sollen nahe dem Königspalast gefallen sein. Die Polizei in Riad sprach in einer Stellungnahme von einer „nicht genehmigten“ Drohne, die abgeschossen worden sei, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA auf ihrem Twitter-Account berichtete.

Den Polizeiangaben zufolge hatten Sicherheitskräfte eines Checkpoints im Stadtteil Chusami nahe dem Palast um 19.50 Uhr Ortszeit (18.50 Uhr europäischer Zeit) eine ferngesteuerte Drohne entdeckt. Sie hätten den Flugroboter dann auf Anweisung abgeschossen. Die Regierung schloss eine größere Sicherheitsverletzung aus. Eine Untersuchung des Vorfalls sei eingeleitet worden.

Internetnutzer hatten nach dem Bekanntwerden der Videos auch aufgrund der sehr lauten Schüsse spekuliert, dass es sich um einen Angriff auf das Königshaus und möglicherweise gar um einen Putschversuch handeln könnte. Dies bestätigte sich zunächst nicht. Ebenso gab es keine Bestätigung für Berichte, denen zufolge der König auf ein Militärgelände in Sicherheit gebracht worden sein soll.

Saudi-Arabien im Umbruch

Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman reformiert das Land derzeit in rasendem Tempo und versucht unter anderem, Saudi-Arabien unabhängiger vom Ölexport zu machen. Die in den vergangenen Jahren stark gesunkenen Preise für Rohöl hatten das Königreich in eine Krise gestürzt. Mit den einschneidenden Reformen hatte der Kronprinz viele politische Konkurrenten vor den Kopf gestoßen.

Mit dem Reformen geht auch eine gesellschaftliche Öffnung des Landes einher. Erst am Mittwoch wurde das erste Kino des Landes nach mehr als 35 Jahren eingeweiht. Als letztes Land der Welt will die Ölmonarchie auch Frauen ab Juni das Autofahren erlauben. Mithilfe seines Vaters König Salman brachte der Kronprinz durch seinen Kurs zwar viele der überwiegend jungen Saudis hinter sich, machte sich aber unter Konservativen und Geistlichen auch einige Feinde.

Die Sicherheitsvorkehrungen um die königlichen Paläste schienen zuletzt verstärkt worden zu sein. Im Oktober hatte ein Mann zwei Wachen am Eingang des Palastes in der Stadt Dschedda am Roten Meer erschossen und drei weitere verletzt.

Das sunnitische Saudi-Arabien kämpft zudem derzeit mit dem schiitischen Iran um die Vorherrschaft in der Region. Beide Länder sind in den Krieg im Jemen und in den syrischen Bürgerkrieg verstrickt und unterstützen die Gegner des jeweils anderen Landes. (mit dpa, AFP)

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