Politik : Schanghaier Bürger gegen Transrapid Protestbrief wegen neuer Trasse an Merkel

Harald Maass

Peking - Schanghaier Bürger haben Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief aufgefordert, sie im Kampf gegen die umstrittene Erweiterung der Transrapidstrecke zu unterstützen. „Das Transrapidprojekt beschneidet die grundlegenden Menschenrechte der Schanghaier, weil hier die Gesundheits- und Existenzrechte ignoriert werden“, heißt es in dem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt. Den Angaben nach stehen mehr als 1000 Bewohnern einer Wohnanlage im Stadtteil Pudong hinter dem Protestbrief.

„Wir glauben, dass die Deutschen und die deutsche Regierung mit ihren Produkten die Lebensqualität der Chinesen verbessern wollen“, heißt es in dem 1400 Schriftzeichen langen Brief. Die geplante Erweiterung der Magnetschwebezugstrecke, der von Siemens und Thyssen-Krupp gebaut wird, zerstöre jedoch die Umwelt und verstoße gegen die Interessen vieler Bürger. So soll der Sicherheitsabstand zwischen dem 430 Stundenkilometer schnellen Zug und Wohnhäusern nur 22,5 Metern betragen – viel weniger als bei der bestehenden Transrapidstrecke. Die Bürger fürchten auch Gesundheits- und Umweltfolgen durch das Projekt. „Sie wissen vielleicht mehr als wir über die Lärmbelastung durch den Transrapid und den Schaden durch das elektronische Magnetfeld“, heißt es in dem Schreiben an die Kanzlerin. „Wir hoffen von ganzem Herzen, dass Sie uns und allen, die entlang der Transrapidstrecke leben, helfen können.“ Eine Sprecherin der deutschen Botschaft in Peking erklärte, dass man bislang nichts von dem Brief wisse.

Unterzeichner des Briefes sind die Bewohnern der Wohnanlage „Tian Yi Zou“ – „Kontinent des Gotteswillen“. Einer der Verfasser sagte dem Tagesspiegel, dass mehr als 1000 Bewohner den Brief unterstützen. Die „Tian Yi Zhou“-Anlage wurde 2003 fertiggestellt. Nach Angaben der Bewohner soll der geplante Transrapid an dieser Stelle in einem Abstand von weniger als 20 Meter an den Häusern vorbeifahren. Sie befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien. „Wie Sie wissen, braucht ein normaler Schanghaier ein Leben lang, um sich eine eigene Wohnung zu ersparen. (…) Können Sie nachvollziehen, dass ein schöner Traum über Nacht zunichte gemacht wird?“

Die Stadtregierung plant auch Umsiedlungen, denn entgegen der bisherigen Pläne soll ein Teilstück der Strecke durch Wohngebiete führen. Die Betroffenen hier protestieren in Internetforen und mit Protestbannern an ihren Häusern gegen die Entscheidung. Schanghais Behörden äußern sich nicht zu den Plänen. Nach Angaben des Transrapidkonsortiums ist noch kein Vertrag über die Erweiterung unterschrieben worden. Die Anwohner von „Tian Yi Zou“ hoffen deshalb, dass sie das Projekt noch verhindern können. „Wir hoffen nicht, dass wir und unsere Kinder und die nächsten Generationen im Schatten des deutschen Produkts Transrapid leben müssen.“

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