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Schleswig-Holstein : Drei Iraker unter Terrorverdacht festgenommen

Bomben-Experimente, ein versuchter Waffenkauf, Überlegungen zu einem Fahrzeug-Anschlag: Spezialkräfte haben Terrorverdächtige im Kreis Dithmarschen gefasst.

Polizisten vor einem Haus in Meldorf (Schleswig-Holstein), in dem drei Iraker wegen Terrorverdachts verhaftet wurden.
Polizisten vor einem Haus in Meldorf (Schleswig-Holstein), in dem drei Iraker wegen Terrorverdachts verhaftet wurden.Foto: Bodo Marks/dpa/AFP

Spezialkräfte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes haben am Mittwochmorgen im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein drei Männer aus dem Irak festgenommen, die einen islamistisch motivierten Terroranschlag in Deutschland geplant haben sollen. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. Sie wirft zwei Männern die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor, dem dritten Beihilfe dazu. Ein konkretes Ziel für einen Anschlag sollen sie nach bisherigen Erkenntnissen jedoch noch nicht ins Auge gefasst haben.

BKA-Chef Holger Münch sagte am Mittwochmittag bei einer Pressekonferenz, die Sicherheitsbehörden hätten die Verdächtigen über mehrere Monate observiert. Als einer der Männer Fahrunterricht genommen habe und damit ein Anschlag mit einem Fahrzeug wahrscheinlicher wurde, habe man sich zum Zugriff entschlossen. Münch sagte weiter: "Der Fall zeigt: Die Bedrohung durch Islamisten ist weiterhin da. Aber der Fall zeigt auch: Wir sind in der Lage, Bedrohungen zu erkennen."

Aus der Mitteilung der Bundesanwaltschaft vom Mittwochmorgen geht hervor, dass die beiden 23-Jährigen offenbar verschiedene Anschlagsszenarien erwogen haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler sollen sie bereits eine Bombenbauanleitung im Internet heruntergeladen und damit begonnen haben, aus Silvesterraketen Schwarzpulver zu gewinnen und damit Sprengversuche vorzunehmen. Zudem hatten sie eine Zündvorrichtung in Großbritannien bestellt. Deren Auslieferung verhinderten die Behörden auf der Insel allerdings.

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Im weiteren Verlauf sollen sie sich dazu entschlossen haben, auch eine Schusswaffe zu verwenden. Über ihren 36-jährigen Helfer versuchten sie diese zu beschaffen, das angebotene Modell sei ihnen jedoch zu teuer gewesen. Auch ein Fahrzeug bezogen die Beschuldigten offenbar in ihre Planungen ein. Einer der beiden soll deshalb spätestens Anfang 2019 damit begonnen haben, Fahrunterricht zu nehmen, heißt es seitens der Bundesanwaltschaft.

Wie "Spiegel Online" berichtet, soll einer der Verdächtigen konkret geäußert haben, möglichst viele „Ungläubige, aber keine Kinder“ treffen zu wollen. (Tsp, dpa)

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