Schulen : Bildungsrat fordert radikale Reformen

Führende Experten haben einen radikalen Umbau des deutschen Bildungssystems gefordert. Das tradierte dreigliedrige Schulsystem solle bundesweit auf eine zweigliedrige Struktur aus Sekundarschulen und Gymnasien umgestellt werden.

München - Die Schüler sollten frühestens nach dem sechsten Lernjahr getrennt werden, empfahl der "Aktionsrat Bildung". Die Konsequenz wäre die Abschaffung der Hauptschulen. "Hauptschulen sind in einigen Ländern eine Art Restschule geworden", sagte der Chef des deutschen Pisa-Teams und Mitglied des Aktionsrats, Manfred Prenzel. Zudem müsse es ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen und mehr Krippenplätze geben.

Der Aktionsrat forderte Bund und Länder auf, noch in diesem Jahr einen "Masterplan für mehr Bildungsgerechtigkeit" mit klaren Zielvorgaben und Finanzierungskonzepten vorzulegen. "Dieser Plan bezieht sich auf das gesamte Bildungssystem - von der Kindergrippe bis zum Hochschulbereich", erläuterte Prenzel.

Nach dem Gutachten des Aktionsrats, dem sieben namhafte Professoren angehören, sollen Schulen zwar staatlich finanziert, aber von privaten Trägern geleitet werden und die Schulen eine weitgehende Autonomie erhalten. Diese sollten selbst für Auswahl und Einsatz der Pädagogen verantwortlich sein, aber auch für deren leistungsbezogene Bezahlung. Lehrer sollten grundsätzlich befristet beschäftigt werden und damit künftig nicht mehr Beamte sein. Nur nach Teilnahme an Fortbildungen sollten ihre Arbeitsverträge verlängert werden.

Förderung von Kindesbeinen an

Die Forscher sprachen sich für einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz vom dritten und eine Kindergartenpflicht vom fünften Lebensjahr an aus. Kindergärten sollten ganztägig und beitragsfrei sein. Damit stützt das Gremium die Ausbau-Pläne von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). "Je früher öffentliche Bildungsinvestitionen ansetzen, umso höher sind die Erträge und Chancen, Bildungsgerechtigkeit herzustellen", sagte der Vorsitzende des Rats, der Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen.

Wie die Pisa-Studie kritisieren auch die Gutachter vor allem einen Mangel an Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. "Man muss befürchten, dass im derzeitigen System mehr als 20 Prozent der Kinder den Anschluss verlieren", sagte Prenzel. Im internationalen Vergleich liege Deutschland im Mittelbereich. Der Aktionsrat wurde vor eineinhalb Jahren auf Initiative der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hin gegründet. Zu den anderen Mitgliedern zählen der Münchner Bildungsökonom Ludger Wößmann und der Direktor des Dortmunder Instituts für Schulentwicklung, Wilfried Bos. (tso/dpa)

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