• Schwarzer rettet mutmaßlich rechten Demonstranten: „Du tust einfach das, was du tun musst“

Schwarzer rettet mutmaßlich rechten Demonstranten : „Du tust einfach das, was du tun musst“

Bei „Black Lives Matter“-Protesten in London bringt ein Schwarzer einen Gegendemonstranten in Sicherheit. Das Foto davon wird zum Symbol für Menschlichkeit.

Die Rettungsaktion von Patrick Hutchinson
Die Rettungsaktion von Patrick HutchinsonFoto: Reuters/Dylan Martinez

Ein Foto von einer „Black Lives Matter“-Demonstration am Samstag in London hat sich über das Wochenende weltweit rasant verbreitet und für Furore gesorgt – als Symbol für Menschlichkeit und Respekt.

Die Aufnahme zeigt den Schwarzen Patrick Hutchinson, der einen offensichtlich verletzten und benommenen Gegendemonstranten auf der Schulter trägt.

Hutchinson, der dem britischen „Guardian“ zufolge bei der Demonstration zusammen mit Freunden für Ordnung sorgen wollte, hatte den Mann in Sicherheit gebracht, als Aktivisten von „Black Lives Matter“ und Gegendemonstranten nahe der Waterloo Bridge aneinander geraten waren.

„Sein Leben war in Gefahr, also bin ich da einfach runter, habe ihn aufgehoben, auf meine Schulter gelegt und bin in Richtung der Polizei gelaufen“, zitiert der „Guardian“ Hutchinson.

„In solch einem Moment denkst du nicht nach, du tust einfach das, was du tun musst“, sagte der Fitnesstrainer dem Sender „Channel 4 News“.

Hutchinson wird für seine Zivilcourage als Held gefeiert. So schrieb der Labour-Abgeordnete für Tottenham, David Lammy, bei Twitter: „Es ist einfach, sich immer auf die schlimmsten Instinkte menschlichen Verhaltens zu fokussieren. Aber es ist unerlässlich, auch die besten zu feiern.“

Hutchinson zieht Verbindung zum Tod von George Floyd

Über den Geretteten sind keine Einzelheiten bekannt. Britische Medien schreiben aber unter Berufung auf Augenzeugen, er habe zur Gruppe der rechten Gegendemonstranten gehört.

Hutchinson schlug bei „Channel 4 News“ auch eine Brücke zwischen dem Tod des Schwarzen George Floyd in den USA, der an den Folgen eines brutalen Polizeieingriffs gestorben war, und seinem Einschreiten in London.

„Wenn die anderen drei Polizisten, die herumstanden, als George Floyd ermordet wurde, eingegriffen hätten so wie wir, wäre George Floyd noch am Leben“, sagte er.

Floyd war gestorben, weil ihm ein weißer Polizist fast neun Minuten lang ein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Die anderen Polizisten ließen das geschehen. Der Tod von Floyd hat weltweit Empörung und heftige Proteste und Demonstrationen in den USA ausgelöst.

Der Tod eines weiteren Schwarzen durch Polizeischüsse in Atlanta heizt die Debatte um Polizeigewalt und Rassismus in Amerika weiter an.

„Patrick hat die Lage sofort durchblickt“

Die Begleiter Hutchinsons, die ihren Teil zur Rettung des verletzten Gegendemonstranten beitrugen, äußerten sich ebenfalls zu dem Vorfall in London.

„Wir haben gesehen, dass die Situation eskaliert, und versucht, den Mann abzuschirmen und Schlimmeres zu verhindern“, sagte Chris Otokito. „Patrick hat die Lage sofort durchblickt, ihn geschnappt und versucht, ihn an einen sicheren Ort zu bringen."

Bei Ausschreitungen im Zuge von Anti-Rassismus-Protesten sowie Kundgebungen rechtsextremer Gruppen waren am Samstag in London mehr als 100 Menschen festgenommen worden.

Premier Boris Johnson deutete an, dass die Gewalt vor allem von rechten Demonstranten ausgegangen sei. „Rassistische Schlägereien haben kein Platz auf unseren Straßen“, schrieb er auf Twitter.

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