In Indien wird alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt

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Update
Schwere Ausschreitungen : Gewalt gegen Frauen in Indien ist beispiellos

Laut offiziellen Statistiken wird in Indien alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt. Vor allem die Hauptstadt Delhi gilt als "Vergewaltigungshauptstadt": Dort kommt es alle 18 Stunden zu einem Übergriff. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, weil sich viele Frauen aus Angst, sozial geächtet zu werden, nicht zur Polizei trauen. Millionen Frauen lebten in permanenter Angst, schreibt die Times of India.

Der Zorn der Demonstranten richtet sich vor allem gegen Regierung und Polizei, denen sie Untätigkeit vorwerfen. So ist ein großer Teil der Polizisten in Delhi zum Schutz von Politikern abgestellt. "Die Anti-Vergewaltigungs-Proteste in Delhi zielen in Wahrheit auf eine politische Klasse, die selbst Bodyguard-Schutz genießt, sich aber wenig um die Sicherheit der Bürger schert", meint der Analyst Brahma Chellaney.

Wie sehr die Politik Gewalt gegen Frauen als Kavaliersdelikt sieht, zeigt sich daran, dass fast alle Parteien Politiker in ihren Reihen haben, gegen die wegen sexueller Delikte ermittelt wird.  "Eine Gesellschaft, die wegschaut, wenn Politiker vergewaltigen, rauben, kidnappen und töten, lädt Ärger ein", meint Shobdaa De. 

Doch das Gewaltproblem lässt sich nicht allein mit härteren Strafen, mehr Polizei und schnelleren Verfahren lösen. In weiten Schichten der Gesellschaft Indiens ist der Mann alles und die Frau nichts. Jedes Jahr werden hunderttausende Föten abgetrieben, nur weil sie weiblich sind. Bei Heiraten müssen die Eltern der Braut Mitgift an den Bräutigam zahlen, um die "Wertlosigkeit" des Mädchen aufzuwiegen.

Übergriffe sind Alltag. Doch wenn Frauen auf offener Straße, in Bussen und Bahnen begrabscht und angepöbelt werden, wird dies als Eve-Teasing, als "Eva ärgern", verharmlost. In alten Bollywood-Filmen sind Vergewaltigungen oft Teil der Handlung, aber ein Kuss, also eine zärtliche Geste, gilt bis heute als Skandal. "Vergewaltigungen geschehen, weil Indiens Männer Frauen nicht respektieren und sie als Spielobjekte sehen", schreibt der bekannte Kolumnist Karan Thapar. 

In Ranchi im Bundesstaat Jharkhand reagierten Menschen nun selbst mit Gewalt: Dort steinigten 100 wütende Dorfbewohner, die meisten Frauen, fünf Männer, die Mädchen beleidigt hatten, zu Tode. Unter den Toten war ein Jugendlicher, der bereits wegen Vergewaltigung verurteilt, aber auf Bewährung freigelassen worden war. 30 Dorfbewohner stellten sich danach freiwillig der Polizei und übernahmen die Verantwortung dafür, dass die fünf Männer getötet wurden. (mit AFP)

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