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Sechs Türken in Libyen festgesetzt : Khalifa Haftar erklärt die Türkei zum Feind

Die Miliz von General Haftar macht die Türkei für ihre Niederlagen verantwortlich. Die Regierung in Ankara forderte, sechs festgesetzte Türken freizulassen.

Khalifa Haftar
Khalifa HaftarFoto: REUTERS

Der Krieg in Libyen eskaliert. Rebellenkommandeur Khalifa Haftar hat die Türkei zum Feind erklärt und seinen Kämpfern befohlen, alle türkischen Schiffe und Flugzeuge anzugreifen, die sich dem nordafrikanischen Land nähern. Die Regierung in Ankara beschuldigte die Haftar-Miliz, sechs türkische Staatsbürger festgesetzt zu haben. Dieser Akt "durch illegale Milizen mit Verbindungen zu Haftar" sei "ein rücksichtsloser Akt und Piraterie", erklärte das Außenministerium in Ankara am Sonntag und verlangte die sofortige Freilassung.

Haftar macht die Regierung in Ankara für eine schwere Niederlage seiner Miliz Libysche Nationale Armee (LNA) im Kampf mit der international anerkannten Regierung um die Hauptstadt Tripoli verantwortlich. NATO-Mitglied Türkei warnte Haftar, er werde für Angriffe einen „sehr hohen Preis“ zahlen.

Die Flüchtlinge, die in libyschen Auffanglagern in der Nähe der Kämpfe festgehalten werden, geraten zwischen die Fronten. Haftars Truppen hatten im April mit einem Angriff auf Tripoli begonnen. Der LNA-Chef wollte mit der Hauptstadt die Macht im ganzen Land übernehmen, das zwischen der UN-gestützten Regierung in Tripoli und einer Gegenregierung im Osten Libyens gespalten ist.

Haftars Vormarsch blieb jedoch in den Vororten von Tripoli stecken, weil sich andere Milizen den LNA-Truppen entgegen stellten. Der Konflikt ist zu einem Stellvertreterkrieg rivalisierender Regionalmächte in dem ölreichen Land geworden. Während Haftar von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt wird, setzen die Türkei und Katar auf verschiedene Milizen, die für die Tripoli-Regierung und gegen Haftar kämpfen.

Beide Seiten ignorieren das UN-Waffenembargo für Libyen, wie sich vor wenigen Tagen besonders deutlich zeigte. Bei einem Gegenangriff rund 90 Kilometer südlich von Tripoli nahmen Haftars Gegner die Stadt Gharyan ein, die der LNA als Hauptquartier und als Nachschubbasis diente. Bei der Flucht mussten die LNA-Einheiten viele Waffen zurücklassen – was eindeutige Beweise für die militärische Unterstützung aus dem Ausland als Tageslicht brachte.

In Gharyan und im benachbarten Zintan sind mehr als 600 Flüchtlinge interniert

Auch die militärische Verwicklung der Türkei in den Konflikt könnte Folgen haben. Erst vor zwei Wochen hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigt, dass sein Land die Regierungsseite in Libyen mit Rüstungsgütern unterstützt. Nach der Niederlage in Gharyan drohte Haftar nun mit Angriffen auf türkische Flugzeuge und Schiffe.

Die Türken hätten den LNA-Feinden beim Gegenangriff auf Gharyan mit Artilleriefeuer und Luftunterstützung geholfen, erklärte die LNA. Deshalb seien türkische Schiffe und Flugzeuge ab sofort „legitime Ziele“. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar erwiderte, die Antwort der Türkei auf mögliche Angriffe werde „wirksam und heftig“ ausfallen.

In Gharyan und im benachbarten Zintan sind mehr als 600 Flüchtlinge interniert, die über Libyen nach Europa gelangen wollten. Was angesichts der Gefechte aus den schutzlosen Menschen werden solle, wisse niemand, kritisierte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) vor Haftars Niederlage in Gharyan. Ob Flüchtlinge in den vergangenen Tagen dort verletzt oder getötet wurden, ist unklar.

MSF wirft den europäischen Staaten eine Mitschuld am Schicksal der Flüchtlinge vor. Europa schicke die Menschen nach Libyen zurück, obwohl bekannt sei, was sie in dem Bürgerkriegsland erwarte. Landesweit sitzen laut MSF knapp 6000 Flüchtlinge in Libyen in Internierungslagern fest. Insgesamt hoffen rund 700.000 Flüchtlinge, die vorwiegend aus anderen afrikanischen Ländern kommen, in Libyen auf die Weiterfahrt Richtung Europa.

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