Seenotrettung : „Lifeline“-Kapitän fühlt sich vom deutschen Staat allein gelassen

Das Dresdner Rettungsschiff durfte tagelang keine Häfen ansteuern und liegt aktuell vor Malta. Der Kapitän Reisch steht nach der Rettung von rund 230 Menschen vor Libyen nun vor Gericht.

Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation «Lifeline» erreicht den Hafen von Valletta.
Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation «Lifeline» erreicht den Hafen von Valletta.Foto: Jonathan Borg/AP/dpa

„Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch (57) wirft dem deutschen Staat vor, ihn im Stich gelassen zu haben. Mehrere Staaten hätten sich bereit erklärt, Flüchtlinge von seinem Schiff aufzunehmen, sagte Reisch am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Deutschland hätte in seinen Augen nichts Erkennbares zur Lösung der Situation beigetragen. Als Staatsbürger fühle man sich „da schon ein Stück weit allein gelassen“.

Er kritisierte, dass private Seenotretter kaum noch im Mittelmeer unterwegs sein könnten. „Man zieht jetzt einfach einen Vorhang vor dieses Schmierentheater, damit niemand mehr sehen kann, was da passiert.“ Trotz des Prozesses in Malta will Reisch weitermachen. „Ich denke, wenn die „Lifeline“ einen Kapitän braucht, dann werde ich sicher zur Verfügung stehen“, sagte er. Viele in der Mannschaft wären ebenfalls zu einem erneuten Einsatz bereit.

Reisch steht aktuell vor Gericht

Reisch steht als Kapitän des auf Malta liegendes Rettungsschiffs „Lifeline“ vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff ohne ordnungsgemäße Registrierung in maltesische Gewässer gesteuert zu haben. Die „Lifeline“ der in Dresden ansässigen Hilfsorganisation Mission Lifeline war fast eine Woche auf dem Meer blockiert, nachdem sie rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte.

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Erst nach der Vereinbarung, dass die Migranten unter EU-Ländern aufgeteilt werden, erlaubte Malta die Einfahrt in einen Hafen. Deutschland war nicht darunter. Reisch darf demnächst nach Deutschland ausreisen, will aber zum nächsten Prozesstermin am 30. Juli nach Malta zurückkehren. (dpa)

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