Silvesternacht in Connewitz : Anwälte von Festgenommenen erheben Vorwürfe

Zweieinhalb Wochen nach der Silvesternacht in Connewitz sitzen noch drei Beschuldigte in Haft. Die Beweislage sei dürftig, kritisieren Anwälte.

In der Neujahrsnacht kam es in Connewitz zu Zusammenstößen zischen Polizei und Linksautonomen.
In der Neujahrsnacht kam es in Connewitz zu Zusammenstößen zischen Polizei und Linksautonomen.Foto: dpa/Sebastian Willnow/zb

Nach der Eskalation der Silvesternacht in Leipzig werfen Anwälte von Festgenommenen der Polizei vor, ihre Mandanten rechtswidrig in Untersuchungshaft zu halten. Das berichtet die Tageszeitung „taz“. Die Anwälte hätten den Eindruck, hier solle ein Exempel statuiert werden.

Wegen verschiedener Angriffe auf Polizisten am Connewitzer Kreuz führt die Staatsanwaltschaft derzeit 13 Strafverfahren. Ein Beamter war in der Silvesternacht so schwer verletzt worden, dass er mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Polizei vermutet Linksextremisten hinter den Attacken und ermittelt wegen versuchten Mordes. Wegen anderer Vorwürfe sitzen dem Bericht zufolge noch drei von ursprünglich zwölf Festgenommenen in Haft.

Einer der im Bericht zitierten Anwälte ist Daniel Werner. Er vertritt einen 30-Jährigen, der aktuell noch in Haft ist, schreibt die „taz“. Ihm werde ein tätlicher Angriff, vorsätzliche Körperverletzung und Gefangenenbefreiung vorgeworfen – rund 45 Minuten nach der Tat, die als versuchter Mord an einem Polizisten eingestuft werde.

Werner wertet die Beweislage gegen seinen Mandanten als dürftig, berichtet die „taz“. Es gebe bislang nur die Aussage zweier Polizisten. Und diese seien nach den „Unwahrheiten“ der Polizei über die Silvesternacht „mit gebotener Skepsis zu beurteilen“. Zudem sei sein Mandant bei der Festnahme verletzt worden. Die Polizisten kämen also ebenso als Täter in Frage.

Anwalt Kasek: Beschuldigte wurden verwechselt

Auch der Anwalt Jürgen Kasek, der bei den sächsischen Grünen aktiv ist, erhebt im Bericht der „taz“ Vorwürfe. Seine drei Mandanten seien verwechselt worden. Auch Vorstrafen hätten sie keine. Trotzdem seien sie 38 Stunden in Einzelzellen festgehalten worden.

Zu Silvester hatten sich laut Polizei mehr als 1000 Menschen am Connewitzer Kreuz versammelt. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz. Nach Mitternacht eskalierte die Situation. Im Anschluss gab es auch Kritik an der Einsatztaktik der Polizei und offenbar übertriebenen Pressemitteilungen der Behörde. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit den Verdacht auf mögliche Polizeigewalt. (Tsp, dpa)

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