• Soforthilfe für Berliner Betriebe: Kredite sind gut gemeint, aber der Mittelstand kann sich keine leisten

Soforthilfe für Berliner Betriebe : Kredite sind gut gemeint, aber der Mittelstand kann sich keine leisten

Die Solo-Selbstständigen haben sich schon unter den Corona-Rettungsschirm gerettet. Der Mittelstand aber droht durch den Rost zu fallen. Ein Kommentar.

Wer kriegt was - und wie viel? Ein imaginäres Verkehrsschild weist auf die Finanznot von Unternehmern hin.
Wer kriegt was - und wie viel? Ein imaginäres Verkehrsschild weist auf die Finanznot von Unternehmern hin.Foto: imago images/Christian Ohde

Da kann man schon staunen, wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop beim Corona-„Rettungsschirm“ handeln. Berlin lässt nämlich den Mittelstand - anders als Brandenburg mit einem "Zuschuss" bis 50 Mitarbeiter - durch den Rost fallen: Die beiden verweisen allein auf die in der aktuellen Lage untaugliche Kreditmöglichkeit und auf den Bund.

Betroffen sind laut IHK, die auch mit dem Senat verhandelt, 14.000 Betriebe in Berlin mit über 100.000 Mitarbeitern. Vom Bund kommt heute ein neues Paket für Betriebe von 10 bis 250 Mitarbeiter, jetzt mit 100 Prozent Bundes-Kreditbesicherung.

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Aber eben "Kredit", und das kann der Mittelstand im Shutdown nicht, weil es Schuldenerhöhung bedeutet - bei weiterlaufenden alten Verbindlichkeiten und weiter laufenden Betriebskosten, mit dem Sonderproblem Miete. Und alles aktuell ohne jegliche Einnahmen und in Unsicherheit, ob, wann und wie ein Betriebsanlauf überhaupt wieder möglich ist.

Ein ganz drängendes aktuelles Thema für den breiten Berliner Mittelstand. Wobei: Der Staat in der Krise, das ist auch immer ein Kampf mit der Überforderung. Wenn beispielsweise kleine Berliner Unternehmen vom heutigen Montag an Hilfsanträge stellen, gibt es nur noch Unterstützung nach dem vom Bund gestarteten Programm: 9000 Euro beziehungsweise 15.000 Euro. Extrageld vom Land Berlin in Höhe von bis zu 5000 Euro bekommt nur noch, wer bis vergangenen Mittwoch, 1. April, zwölf Uhr, einen Antrag gestellt hatte.

Damit gehen all jene leer aus, die an die Beruhigungsformeln der Berliner Politiker geglaubt haben. Weil der Ansturm enorm groß war, hielten die Server der Investitionsbank Berlin (IBB) zunächst nicht stand und Wirtschaftssenatorin Pop bat, einen Riesenandrang zu vermeiden: „Es sind genug Mittel da, es gilt NICHT das Windhundprinzip.“ Doch, genau das galt. Bei 151.000 Anträgen und unbürokratisch ausgezahlten 1,336 Milliarden Euro war Schluss. Die letzten beißen die Windhunde.

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