Spanien : Barcelona gedenkt der Terror-Opfer von Las Ramblas

Mit einer Zeremonie hat Spanien der Opfer der Anschläge in Katalonien vor einem Jahr gedacht.Bei den Anschlägen in Barcelona und Cambrils waren am 17. August 2017 insgesamt 16 Menschen getötet worden.

Trauernde brachten Blumen und Kerzen an den Ort des Anschlags.
Trauernde brachten Blumen und Kerzen an den Ort des Anschlags.Foto: Matthias Oesterle/imago/ZUMA Press

Mit einer emotionalen Gedenkfeier hat Barcelona ein Jahr nach dem blutigen Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas der Opfer gedacht. Angehörige der Opfer steckten am Freitagmorgen zunächst Blumen in bunte Poller, die auf dem 1976 geschaffenen Mosaik des Künstlers Joan Miró auf dem Pla de l'Os installiert worden waren. Hier endete am 17. August 2017 die Todesfahrt eines islamistischen Attentäters. Er hatte am späten Nachmittag einen Lieferwagen in eine Menschenmenge auf dem Boulevard gesteuert

In der darauffolgenden Nacht konnte ein großer Anschlag in dem Ort Cambrils gerade noch verhindert werden. Unter den insgesamt 16 Toten war auch eine Deutsche. Mehr als 120 Passanten wurde verletzt. Die Betroffenen stammen aus insgesamt 34 Ländern - Barcelona ist gerade im Sommer ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt.

Die Angehörigen zeigten sich bei der Gedenkstunde tief bewegt, viele weinten. „Wir haben alle einen Teil von uns auf Las Ramblas gelassen“, sagte eine Frau, die bei dem Anschlag ein Familienmitglied verloren hat, im spanischen Fernsehen.

An einer mit Musik untermalten Zeremonie auf der Plaza de Catalunya unter dem Motto „Barcelona, Stadt des Friedens“ nahmen auch König Felipe VI. und Königin Letizia sowie Ministerpräsident Pedro Sánchez und der katalanische Regionalchef Quim Torra teil. Ein Chor sang John Lennons Friedenshymne „Imagine“ und die Leonard-Cohen-Ballade „Hallelujah“.

Das berühmte Gedicht „Niemand ist eine Insel“ von John Donne (1572-1631) wurde in den Sprachen der Herkunftsländer der Opfer vorgetragen, darunter Deutsch, Englisch und Französisch. Wie bereits kurz nach der Bluttat war auch am Jahrestag erneut ein Satz überall zu lesen: „No tinc por“ - Katalanisch für: Ich habe keine Angst.

Katalanische Unabhängigkeitsbefürworter protestierten gegen die Teilnahme des Königs. Auf einem Plakat an dem Platz, wo die Zeremonie stattfand, war zu lesen, "der spanische König" sie "nicht willkommen" in Katalonien. Der Monarch hatte sich gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region im vergangenen Jahr gestellt. Befürworter der Unabhängigkeit organisierten daher eigene Gedenkveranstaltungen am Freitag.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Taten für sich. Anfang des Monats wurde der Drahtzieher laut spanischen Medienberichten identifiziert, Details wurden aber nicht bekannt.

Nach den Anschlägen galt zunächst ein marokkanischer Imam als Drahtzieher der Aktion. Inzwischen gehen die Ermittler einem Medienbericht zufolge davon aus, dass der 43-Jährige als Kontaktmann zwischen dem eigentlichen Planer und den Ausführern der Anschläge fungierte. Der Imam starb einen Tag vor den Attentaten bei einer Explosion in einem Haus, in dem die Gruppe Sprengsätze herstellte. (dpa, AFP)

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