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Spannungen im Nahen Osten : Syrien bestätigt Abschuss von türkischem Kampfflugzeug

Syrien hat einen Kampfjet der türkischen Luftwaffe abgeschossen. Das bestätigten sowohl die Türkei als auch Syrien. Die Türkei kündigte eine entschlossene Reaktion an. Westerwelle zeigt sich besorgt.

Archivfoto: Eine McDonnell Douglas F-4E Phantom II der türkischen Luftwaffe. Eine Maschine diesen Typs ist am Freitag abgeschossen worden.
Archivfoto: Eine McDonnell Douglas F-4E Phantom II der türkischen Luftwaffe. Eine Maschine diesen Typs ist am Freitag abgeschossen...Foto: dapd

Syrien hat den Abschuss eines über dem Mittelmeer vermissten türkischen Kampfflugzeugs bestätigt. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete in der Nacht zum Samstag, die Truppen hätten ein unidentifizierbares Objekt in syrischem Luftraum geortet, das in geringer Höhe und mit großer Geschwindigkeit geflogen sei. Nach Abschuss des Objekts habe sich herausgestellt, dass es sich um ein türkisches Militärflugzeug gehandelt habe.

Die Türkei kündigte eine entschlossene Reaktion an. Die zwei Piloten an Bord des Flugzeugs vom Typ F-4 würden weiter vermisst, hieß es aus dem Büro von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Maschine war am Mittag von den Radarschirmen verschwunden. Damit verschärfen sich die Spannungen in der Region weiter.

Außenminister Guido Westerwelle ist „in großer Sorge“ über den Abschuss des türkischen Kampfflugzeugs durch syrische Truppen. Der Vorfall müsse genauestens aufgeklärt werden, sagte der FDP-Politiker bei einem Besuch in Bangladesch. Er begrüße die besonnene Reaktion der Türkei, betonte der deutsche Chefdiplomat. Es müsse alles getan werden, damit die ohnehin angespannte Lage in der Region nicht eskaliere.

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien hat auch die Türkei nachdrücklich einen Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad gefordert. In Syrien stößt die Errichtung von Flüchtlingslagern auf türkischer Seite der Grenze auf Missfallen. Die Regierung in Damaskus wirft der Türkei vor, die syrische Opposition zu unterstützen und Aufständische von ihrem Gebiet aus aktiv werden zu lassen. Die Türkei hat dies zurückgewiesen.

Der Aufstand in Syrien in Bildern:

Blutiger Aufstand gegen Assad
18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 99Foto: AFP
18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Die Türkei hatte schon am Freitag bestätigt, dass ein türkisches Kampfflugzeug vom veralteten Typ F4-Phantom über dem Mittelmeer von Syrien abgeschossen wurde. Das wurde am Abend nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Anlara mitgeteilt.

Die Suche nach den beiden Piloten und dem Wrack werde gemeinsam mit Syrien fortgesetzt, hieß es in der Mitteilung. Sobald die Umstände des Vorfalls geklärt seien, würden die notwendigen Schritte unternommen.

Am Nachmittag hatte Erdogan Onlineberichte der türkischen Zeitung „Hürriyet“ zurückgewiesen, wonach sich Damaskus wegen des Flugzeugs bei ihm entschuldigt habe. „Ich habe keine solche Information erhalten“, sagte er. Fragen, warum der türkische Jet so nahe an der syrischen Küste unterwegs war, beantwortete er nicht. Der Nachrichtensender CNN Türk hatte zuvor auf seiner Website gemeldet, das in Malatya gestartete Flugzeug sei acht Seemeilen von der Küste entfernt ins Mittelmeer gestürzt.

Russland forderte derweil den umstrittenen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auf, die Bevölkerung in freien Wahlen über sein Schicksal entscheiden zu lassen. „Einen anderen Weg sehe ich nicht“, sagte Moskaus Außenminister Sergej Lawrow am Freitag dem russischen Staatsfernsehen. „Wir gehen davon aus, dass nur das syrische Volk das Los seines Landes entscheiden kann, einschließlich des Schicksals seiner Führung“, sagte Lawrow nach einem Treffen mit seinem syrischen Amtskollegen Walid al-Muallim in St. Petersburg. „Es sollte um freie Wahlen gehen, eine Abstimmung, die absolut frei und gerecht sein sollte - und unter strengster Kontrolle internationaler Beobachter.“ Nach dem Treffen mit Muallim sagte er auch, dass die syrische Führung zu einem Abzug ihrer Truppen aus den besiedelten Orten bereit sei, wenn die bewaffnete Opposition ebenfalls abziehe.

Der Aufstand in Syrien in Bildern:

Blutiger Aufstand gegen Assad
18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
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18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Erneut machte Lawrow deutlich, dass Russland an seinen Waffenlieferungen für Assad festhalte. Nach russischen Informationen schickte die Marine ein zuvor von den Briten gestopptes Schiff mit Rüstungsgütern und reparierten Hubschraubern erneut in Richtung Syrien. Russland unterhält im syrischen Hafen Tartus eine Militärstützpunkt.

Lawrow bezeichnete die seit Tagen andauernden russischen Gespräche mit der syrischen Führung als wichtig im Hinblick auf die für den 30. Juni in Genf geplante Syrien-Konferenz. Kurz davor will er sich in der kommenden Woche in St. Petersburg auch mit US-Außenministerin Hillary Clinton treffen.

Der Syrien-Konflikt droht nach Überzeugung des UN-Vermittlers Kofi Annan rasch auf die ganze Region überzugreifen, wenn „einflussreiche Mächte“ nicht entschlossen für Frieden sorgen. „Ich fürchte, wir nähern uns dem Tag, an dem es zu spät sein wird, um noch zu verhindern, dass diese Krise außer Kontrolle gerät“, sagte Annan am Freitag bei einer Pressekonferenz in Genf.

Der Syrien-Sonderbeauftragte von UN und Arabischer Liga kündigte ein baldiges Treffen der von ihm angeregten Syrien-Kontaktgruppe mit einflussreichen Staaten wie Russland und den USA in Genf an. Dabei solle ein neuer Versuch für eine Lösung des Konfliktes erörtert werden. Ein härteres Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen das syrische Regime scheitert bislang vor allem an Russland und China. (dpa/rtr/dapd)

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