SPD-Verein gegen die Groko : Volkspartei oder Untergang

Alexandra Scherer trat vor kurzem in die SPD ein - und kämpft nun in dem Verein "NoGroKo" gegen den Wiedereintritt der Genossen in eine große Koalition.

Ein Delegierter des SPD-Landesparteitages Sachsen-Anhalt zeigt einen Stoffbeutel mit der Aufschrift "#NoGroKo".
Ein Delegierter des SPD-Landesparteitages Sachsen-Anhalt zeigt einen Stoffbeutel mit der Aufschrift "#NoGroKo".Foto: dpa

Vor einem Jahr war die SPD noch obenauf: Als Martin Schulz Anfang 2017 zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, waren die Genossen begeistert. Sie sahen den „Schulzzug“ schon bis ins Kanzleramt rollen, auf dem Weg zu einer SPD-geführten Bundesregierung. In der Folge strömten tausende Neumitglieder in die Partei.

Alexandra Scherer aus Berlin-Friedenau ist keine von ihnen. Sie ist erst seit ein paar Wochen in der SPD und bei ihr ist alles anders als im Frühjahr 2017: Die 40 Jahre alte Chemikerin ist nicht wegen Schulz eingetreten – sondern trotz des Parteichefs.

Der wirbt aktuell für eine neue große Koalition. Alexandra Scherer macht mobil dagegen. Mehr als 4000 Unterschriften haben sie und Mitstreiter in wenigen Tagen im Verein „NoGroKo“ gesammelt. Sie wollen, dass der SPD-Sonderparteitag am kommenden Wochenende gegen Koalitionsverhandlungen mit der Union stimmt.

Für sie steht das Überleben der Sozialdemokratie auf dem Spiel

Dass das wohl auch Schulz’ Karriere beenden würde, tue ihr leid, sagt Scherer. „Aber es geht hier nicht um Individuen.“ Für sie steht das Überleben der Sozialdemokratie auf dem Spiel: „Wenn die SPD eine Volkspartei bleiben möchte, muss sie raus aus der Groko.“ In dem Bündnis mit der Union könne sich die SPD nicht reformieren, ist Scherer sich sicher. Die Sozialdemokratie würde in einer schwarz-roten Dauerregierung untergehen – und mit ihr vielleicht sogar die ganze Demokratie.

Spricht Alexandra Scherer über Politik, redet sie schnell, voller Leidenschaft, in langen, aber klaren Sätzen. „Ich bin keine Politikerin“, sagt sie. „Aber ich weiß auch, dass du glaubwürdig sein musst.“ Und für glaubwürdig hält sie den aktuellen Kurs, das Hin und Her der SPD-Führung in Sachen Groko, nicht. Die Parteibasis erkenne das auch, erzählt Scherer. „Alle sind prinzipiell dagegen, aber dann nehmen sie doch hin, was der Parteivorstand beschließt.“

Was aber passiert, wenn der Parteitag am Sonntag tatsächlich für die Groko stimmt? Viele Mitglieder wären wohl enttäuscht, meint Scherer. Einige würden wohl auch ihr Parteibuch zurückgeben. Sie selbst wolle aber weitermachen, verspricht sie: „Weil es in der SPD einen riesigen Bedarf an Leuten aus meiner Generation gibt.“

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

3 Kommentare

Neuester Kommentar