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Streit mit der Türkei : Trump will Strafzölle verdoppeln – türkische Lira stürzt ab

US-Präsident Donald Trump hat eine Verdopplung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet. Die angeschlagene Währung des Landes fiel um 19 Prozent.

US-Präsident Donald Trump (l.) und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan
US-Präsident Donald Trump (l.) und sein türkischer Kollege Recep Tayyip ErdoganFoto: AFP/Tatyana ZENKOVICH

Im diplomatischen Konflikt mit der Türkei heizt US-Präsident Donald Trump die Krise um den Verfall der türkischen Währung Lira mit einer Verdoppelung von US-Strafzöllen an. Trump teilte am Freitag auf Twitter mit: „Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt.“

Die Zölle auf Aluminium würden nun auf 20 Prozent und die für Stahl auf 50 Prozent angehoben. Trump verwies ausdrücklich darauf, dass die Lira „schnell gegenüber unserem sehr starken Dollar abrutscht!“ Er fügte hinzu: „Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut!“ Am Abend kündigte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums Vergeltung für die Maßnahmen der USA, ohne das weiter auszuführen.

Die türkische Lira verlor am Freitag angesichts der neuen US-Sanktionen und Zweifeln an der Handlungswilligkeit der türkischen Regierung 19 Prozent an Wert. Kurz nach Trumps Tweet notierte die Lira am Nachmittag bei 6,62 zum Dollar. Bereits am Morgen hatte die Lira nach Äußerungen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan massiv an Wert verloren.

Der türkische Finanzminister Berat Albayrak hielt zum Zeitpunkt des Tweets gerade eine Rede über Maßnahmen für die schwer angeschlagene Wirtschaft der Türkei. Er sicherte der Notenbank seines Landes ihre Unabhängigkeit zu und sagte, die Regierung unterstütze voll eine „unabhängige Geldpolitik“. Man wolle das Vertrauen in die Lira verbessern und werde die Inflation effektiv bekämpfen. Außerdem werde das Budget gestrafft. Wie genau die Regierung das anstellen will, ging aus der Rede nicht hervor.

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Aus dem Finanzministerium hatte es am Vortag geheißen, die Maßnahmen, die die Regierung ein „neues Wirtschaftsmodell“ nennt, sollen unter anderem das Wachstum, das Experten kurz vor einer Überhitzung sehen, von rund 7 Prozent auf rund 3 bis 4 dämpfen und die Inflationsrate von mehr als 15 Prozent in den einstelligen Bereich drücken.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht den Westen für den Kursverfall der Lira verantwortlich und spricht von einem „Wirtschaftskrieg“. Er rief die Bevölkerung dazu auf, Dollar und Euro in Lira umzutauschen. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein, sagte er.

Die USA fordern die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger. Die USA hatten deswegen vergangene Woche Sanktionen gegen den türkischen Innenminister Süleyman Soylu und gegen Justizminister Abdülhamit Gül verhängt. Damit werden mögliche Vermögen der Minister in den USA eingefroren, außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen machen. Die Affäre hatte zum Absturz der Lira stark beigetragen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erließ daraufhin ebenfalls Sanktionen gegen US-Minister. (dpa)

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