Studie von Save the Children : 415 Millionen Kinder leben in Konfliktgebieten

Verschleppt, verstümmelt, missbraucht, getötet: Kriege und Krisen werden für Kinder immer gefährlicher. Eine neue Studie zeigt das ganze Ausmaß des Leids.

Millionen Kinder sind in Syrien zu Opfern des Kriegs geworden.
Millionen Kinder sind in Syrien zu Opfern des Kriegs geworden.Foto: Ammar Suleiman/AFP

Ghazal lebt in Afghanistan. Sie ist acht Jahre alt – und kennt kein Leben ohne Krieg. Wenn Ghazal zum Beispiel allein zur Schule geht, hat das Mädchen Angst davor, entführt zu werden, auf eine Landmine zu treten oder durch ein Selbstmordattentat zu sterben.

20 Millionen Kindern ergeht es ähnlich wie Ghazal. Alle Mädchen und Jungen im Land sind im Krieg geboren worden und wachsen mit ihm auf. Afghanistan gehört nach den Recherchen von Save the Children weltweit zu den zehn gefährlichsten Orten für Kinder – neben Mali, Nigeria, Südsudan, Somalia, dem Irak, Jemen, Syrien, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo.

Das geht aus einem aktuellen Bericht der Kinderrechtsorganisation hervor, der jetzt anlässlich der Münchener Sicherheitskonferenz veröffentlicht wird. Dem 36-seitigen Report mit dem Titel „Krieg gegen Kinder“ zufolge lebten 2018 rund 415 Millionen Mädchen und Jungen in einem Konfliktgebiet, fast 150 Millionen Kinder wuchsen in einem extrem gefährlichen Alltag auf.

Angriffe auf Schulen und Kliniken gehören zur Kriegstaktik

Mehr als 12.000 sind durch Gewalt ums Leben gekommen. Zwischen 2010 und 2018 ist nach Angaben von Save the Children die Gesamtzahl der Mädchen und Jungen, die in Konfliktgebieten leben, um 34 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der bestätigten schweren Verbrechen an Kindern in diesen Gebieten um 170 Prozent erhöht.

Auch in Afrika werden Jungen als Kämpfer rekrutiert.
Auch in Afrika werden Jungen als Kämpfer rekrutiert.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Datensammlung macht die dramatische Situation für Heranwachsende auf unterschiedlichen Ebenen deutlich. So sind etwa Bildung und Gesundheit ein riesiges Problem. Nicht nur, dass Konflikte und Krisen eine Teilnahme am Unterricht oft erschweren, wenn nicht gar verhindern, sondern Schulen werden immer häufiger gezielt angegriffen.

Jungen werden als Kämpfer rekrutiert

Das Gleiche gilt für Krankenhäuser und medizinisches Personal. Inzwischen gehört es zur gängigen völkerrechtswidrigen Kriegstaktik, solche Einrichtungen zu attackieren.

Save the Childrens Untersuchung zeigt außerdem, dass Mädchen und Jungen geschlechtsspezifisch zum Teil sehr unterschiedlichen Formen von Gewalt ausgesetzt sind. Zum Beispiel rekrutieren bewaffnete Gruppen und reguläre Streitkräfte in erster Linie Jungen für militärische Zwecke.

Grafik: Fabian Bartel

Mehr als 7000 bestätigte Fälle von Kindersoldaten gab es im Jahr 2018. Viele werden für Kämpfe an der Front eingesetzt, andere als Wachposten an Checkpoints oder sogar als Selbstmordattentäter missbraucht.

Sexuelle Gewalt gegen Mädchen

Mädchen wiederum sind sehr häufig sexueller Gewalt ausgesetzt. So gehören Vergewaltigungen weltweit zur Kriegswaffe. Vor allem in Afrika sind die Zahlen besonders hoch. Oft werden den Kämpfern Frauen und Mädchen als „Belohnung“ für ihren Einsatz versprochen.

„Kriege und Konflikte werden für Kinder immer gefährlicher“, heißt es bei Save the Children. Es sei erschütternd, dass die Welt zuschaue, wenn Kinder „ungestraft zur Zielscheibe werden“, sagt Vorstandschefin Susanna Krüger. Allen Zahlen und Fakten zum Trotz.

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