Studie zur Bundestagswahl : So haben Deutschtürken und Russlanddeutsche gewählt

Eine Studie zur Bundestagswahl 2017 zeigt politische Präferenzen und politisches Engagement von Deutschtürken und Russlanddeutschen.

Mitglieder der Alevitischen Gemeinde demonstrieren am 24.05.2014 in Köln gegen den Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan.
Mitglieder der Alevitischen Gemeinde demonstrieren am 24.05.2014 in Köln gegen den Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten...Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Volksparteien CDU/CSU und SPD, die bisher bei Menschen mit Migrationshintergrund dominant waren, haben auch bei diesen an Zustimmung verloren. Das geht aus einer Forschungsarbeit der Universitäten Köln und Duisburg-Essen (UDE) hervor, die das Wahlverhalten zur Bundestagswahl 2017 von Russlanddeutschen und Deutschtürken vergleicht. Für die „Immigrant German Election Study“ wurden jeweils knapp 500 zufällig ausgewählte Deutsche befragt, die selbst oder deren Eltern aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten oder aus der Türkei eingewandert sind.

Die Wahlbeteiligung lag bei Migranten insgesamt mit etwa 61 Prozent deutlich niedriger als bei Deutschen ohne Migrationshintergrund mit 76,2 Prozent. Zusammenfassend sind Russlanddeutsche rechts der Mitte positioniert, Deutschtürken links der Mitte.

Bei früheren Bundestagswahlen stimmten Russlanddeutsche mehrheitlich für die CDU/CSU; 2017 wählten 15 Prozent von ihnen die AfD – also mehr als Wähler ohne Migrationshintergrund. Zweitstärkste Kraft hinter der Union (27 Prozent) ist bei ihnen die Linkspartei mit 21 Prozent.

17 Prozent der Türken demonstrieren - deutlich mehr als die Mehrheitsbevölkerung

Mehr als ein Drittel der Deutschtürken wählte die SPD (35 Prozent), 16 Prozent die Linke und 13 Prozent die Grünen – das sind jeweils deutlich mehr als die Parteien beim Bundestagswahlergebnis insgesamt erreichten. In der zweiten Generation und bei alevitischen Türken schneiden die drei Parteien noch besser ab; Kurden wählten zu 37 Prozent die Linkspartei und mit 30 Prozent die Unionsparteien.

„Die Deutschen türkischer Abstammung sind ganz klar gegen Erdogan. Wenn sie überhaupt am türkischen Referendum teilgenommen haben, stimmten sie deutlich dagegen“ , sagt Professor Goerres von der UDE. Nur 21 Prozent der Türken mit doppelter Staatsbürgerschaft waren für die Verfassungsreform. Lediglich 12 Prozent der Deutschtürken wählten die Erdogan nahestehende Partei „Allianz Deutscher Demokraten“, die nur in NRW zur Wahl antrat. 66 Prozent der Deutschtürken sprechen sich gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei aus, von den türkeistämmigen Kurden sind es 84 Prozent. Deutschtürken sind auch unabhängig von Wahlen politisch stark engagiert; so demonstrieren 17 Prozent von ihnen für politische Anliegen; von der Mehrheitsbevölkerung sind das nur 7 Prozent.

Auf einer Skala von -5 bis +5 bewerten die befragten Deutschtürken Staatspräsident Erdogan im Schnitt mit -2,5, bei der zweiten Einwanderergeneration schneidet er noch etwas besser ab – damit ist er beliebter als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Den grünen Politiker Cem Özdemir kennen fast alle Deutschtürken – und bewerten ihn mit 0,2 schlechter als Deutsche ohne Migrationshintergrund (0,9).

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