• Studie zur "Generation Internet": Immer mehr Jugendliche fürchten sich vor Online-Mobbing

Studie zur "Generation Internet" : Immer mehr Jugendliche fürchten sich vor Online-Mobbing

Eine Studie zeigt: Viele Jugendliche haben Angst, im Netz bloßgestellt zu werden. Familienministerin Giffey will nun das Jugendmedienschutzgesetz reformieren.

Claudia Kleine
Ein Junge sitzt vor einem Computer.
Ein Junge sitzt vor einem Computer.Foto: Jens Wolf/dpa

Auch bei der jungen Generation wächst die Skepsis gegenüber der Internet-Nutzung. Laut einer repräsentativen Studie sind nur rund 30 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen im Alter von 14-24 Jahren von der Sicherheit ihrer persönlichen Daten im Internet überzeugt. Das seien im Vergleich zu Ergebnissen aus früheren Jahren deutlich weniger, erklärte die Direktorin Sozialforschung und Studienleiterin beim durchführenden Sinus-Institut, Silke Borgstedt, am Montag in Berlin.

Konsequenzen ziehen die Jugendlichen daraus allerdings immer seltener. Nur 46 Prozent gaben an, nur Seiten zu nutzen, bei denen sie wüssten, dass sie sicher sind, 2014 waren es noch 67 Prozent. Dieses Verhalten könnte auch damit zusammenhängen, dass nur noch 57 Prozent der Befragten jungen Menschen glauben, gut über die Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Daten im Internet informiert zu sein. Insbesondere Themen wie Sicherheit und Schutz der Privatsphäre kämen aus ihrer Sicht im Schulunterricht zu kurz.

Auch eine starke „Verrohung“ der Umgangsweisen im Netz stellen danach viele Befragte fest: So nehmen zwei Drittel der 14- bis 24-Jährigen das Internet als Raum wahr, in dem diejenigen, die sich äußern, damit rechnen müssten, beleidigt oder beschimpft zu werden. Für rund 38 Prozent ist diese wahrgenommene „Beleidigungskultur“ ein Grund, auf die Äußerung der eigenen Meinung im Internet zu verzichten. Vorgestellt wurde die Studie vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und dem Bundesfamilienministerium.

Unzureichend vorbereitet auf eine digitale Zukunft

Auch die Angst vor der Veröffentlichung peinlicher oder intimer Posts habe deutlich zugenommen, ebenso die Angst davor, dass Fake-Profile erstellt werden - also die Täuschung durch gefälschte Nutzer-Profile. Weit verbreitet sei auch die Sorge davor, „internetsüchtig“ zu sein oder zu werden. Insbesondere die 14- bis 17-Jährigen sähen das als Problem. 64 Prozent der Befragten gaben zudem an, sie hätten das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden.

Trotzdem ist laut der repräsentativen Studie das Internet für die meisten Kinder und Jugendlichen unverzichtbar. 99 Prozent nutzten das Internet mindestens einmal täglich, ein knappes Drittel sah sich „eigentlich nie offline“. Rund 68 Prozent könnten sich ein Leben ohne Internet nicht vorstellen. Vor vier Jahren seien das allerdings noch fünf Prozent mehr gewesen, heißt es in der Studie.

Die "Generation Internet" kritisiert laut der Studie allerdings, dass sie sich unzureichend auf eine digitale Zukunft vorbereitet fühle. Das Erlernen digitaler Kompetenzen laufe meist in Eigenregie und untereinander. Ein "Digital Native" zu sein, sei aus ihrer Sicht kein Selbstläufer, sondern erfordere vielfach Kenntnisse und Anstrengungen.

Laut Studie blicken junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren zudem mit Skepsis auf eine rein digitale Zukunft. 41 Prozent von ihnen mache die Vorstellung Angst, in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigen zu können. Damit hat sich diese Zahl im Vergleich mit den ersten Studienergebnissen von 2014 fast verdoppelt. Rund die Hälfte der Befragten wünschten sich zudem, dass man in Zukunft weniger online ist, heißt es in der Studie.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bezeichnete die Ergebnisse der Studie als ernüchternd. Wenn junge Menschen sich im Internet nicht einmal mehr trauten, ihre Meinung frei zu äußern, sei das ein erschreckendes Signal. Sie bräuchten Unterstützung und Begleitung, damit sie das Netz unbeschwert nutzen könnten. Sie kündigte deshalb eine Reform des Jugendmedienschutzgesetzes an. Dies solle Teilhabe, Befähigung und Schutz zugleich sein. Anbieter müssten zudem ausreichende Sicherungs- und Meldesysteme bereitstellen. (mit KNA)

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