"Meine Beine Zitterten"

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Terroranschlag in Boston : Die Bombe bei Kilometer 42
Drei Tote und über 170 Verletzte hat der Anschlag gefordert. Am Tag danach sind weite Teile der Bostoner Innenstadt abgeriegelt.
Drei Tote und über 170 Verletzte hat der Anschlag gefordert. Am Tag danach sind weite Teile der Bostoner Innenstadt abgeriegelt.Foto: Reuters

Einen Tag nach den Anschlägen auf den Boston Marathon zeichnet sich ab: Für Friederike Edelmann und viele andere hätte es am Montag noch schlimmer kommen können. Ermittler gehen davon aus, dass die Explosionen früher geplant waren. Zur Tatzeit waren die meisten Teilnehmer im Ziel, die Elite-Läufer – darunter die deutsche Spitzenathletin Sabrina Mockenhaupt – bereits im Hotel.

Doch in der Endphase des Rennens richteten die Anschläge verheerende Schäden an. Dabei kamen die Läufer selbst noch mit dem Schrecken davon. Den 78-jährige Bill Iffrig, der gerade seinen dritten Boston-Marathon beenden wollte, riss die Druckwelle der Explosion von den Füßen. „Meine Beine zitterten, aber ich hatte keine Schmerzen“, berichtete Iffrig später. Mehrere Streckenposten waren innerhalb weniger Sekunden bei ihm. „Sie halfen mir auf, so dass ich das Rennen noch beenden konnte.“ Livebilder von der Ziellinie zeigen unterdessen, wie sich zahlreiche andere Läufer erschreckt nach der Explosion umdrehen, ihr Rennen aber für die letzten Meter fortsetzen konnten. Wirkliche Panik brach erst aus, als zehn Sekunden nach der ersten Explosion die zweite Bombe detonierte und etwa 100 Meter weiter der Jubel der Fans in entsetztes Schreien umschlug.

Die deutsche Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt bei ihrer Zielankunft. Sie wurde zehnte.
Die deutsche Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt bei ihrer Zielankunft. Sie wurde zehnte.Foto: Thomas Wenning/dpa

Unter den drei Todesopfern ist ein achtjähriger Junge, der voller Freude auf den Zieleinlauf seines Vaters wartete. Zahlreichen Menschen wurden Gliedmaßen abgerissen. Insgesamt meldete die Polizei mehr als 170 Verletzte, viele davon schwer. Die Opfer hatten Glück im Unglück, da im Zielbereich eines Marathons zumindest eine ausgezeichnete medizinische Infrastruktur besteht. Zahlreiche Krankenwagen standen bereit, hunderte von Sanitätern waren in Erste-Hilfe-Zelten in Bereitschaft. Auch die Krankenhäuser in der Metropole waren vorbereitet.

Dass unter den Patienten ein Verdächtiger sei, wurde vom FBI schnell dementiert

„Am Tag des Marathons nehmen wir traditionell 30 Prozent mehr Patienten auf als an jeden anderen Tag“, sagte ein diensthabender Arzt. Zwar waren Ärzte und Helfer eher auf unterkühlte und dehydrierte Läufer vorbereitet und nicht auf traumatisierte Terroropfer, doch konnte man eben auch diesen schneller helfen als sonst und für zahlreiche Patienten Schlimmeres verhindern.

Dass unter den Patienten in einem der Krankenhäuser ein Verdächtiger sei, wurde vom FBI schnell dementiert. Die Bundespolizei, die mit Unterstützung der Landes- und der lokalen Behörden ermittelt, machte noch am Montagabend klar, dass man in alle Richtungen ermittele und noch keine heiße Spur habe.

Allem Anschein nach werden die Ermittlungen lange Zeit dauern. Die Behörden wollen sich Zeit lassen, um nicht etwa die Fehler von 1996 zu wiederholen. Damals beeilte man sich nach einem Bombenanschlag auf die Olympischen Spiele von Atlanta einen Schuldigen zu finden – und erwischte den falschen. Es dauerte später Jahre, den wahren Attentäter zur Verantwortung zu ziehen.

Die Ermittlungen in Boston begannen mit der Suche nach den Sprengsätzen

Die Ermittlungen in Boston begannen zunächst mit der fieberhaften Suche nach möglichen weiteren Sprengsätzen. Die Polizei durchkämmte ein Gebiet von 15 Straßenblocks rund um den Tatort und legte den öffentlichen Nahverkehr lahm. Der nahm erst Stunden später den Betrieb unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen wieder auf. In Zügen und U-Bahnen soll es in den nächsten Tagen verstärkte Taschenkontrollen geben. Auch in anderen gr´ßen Städten der USA, etwa in New York, war man umgehend in erhöhter Alarmbereitschaft.

Eine besonders tragische Verbindung besteht zwischen dem Marathon und dem Schulmassaker von Newtown in Connecticut, wo im Dezember 20 Erstklässler und sechs Lehrer getötet wurden. „26 Meilen für 26 Opfer“ war in diesem Jahr das Motto des Rennens in Boston, wo Läufer der Toten von Newtown gedachten. Angehörige sollen auch im Zielbereich an der Boylston Street gewesen sein.

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