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Terrorverdacht in NRW : Sicherheitsbehörden verhinderten möglichen Terroranschlag

In NRW sind mehrere Männer in Gewahrsam genommen worden, die einen Terrorangriff geplant haben sollen. Darunter ein 30-Jähriger, der vorwiegend in Berlin lebte.

Die Polizei hat am Donnerstag Wohnungen mutmaßlicher Gefährder aus dem islamistischen Umfeld unter anderem in Köln durchsucht.
Die Polizei hat am Donnerstag Wohnungen mutmaßlicher Gefährder aus dem islamistischen Umfeld unter anderem in Köln durchsucht.Foto: Oliver Berg/dpa

Die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen und Berlin haben offenbar einen islamistischen Anschlag verhindert. Die Polizei nahm am Donnerstag in Köln und Düren sechs Männer in Gewahrsam, die der Salafistenszene zugerechnet werden. Die zentrale Person sei ein deutschlibanesischer Konvertit, sagte der Leiter der Kölner Kriminalpolizei, Klaus-Stephan Becker.

Er deutete an, der als Gefährder eingestufte Mann könnte einen Selbstmordanschlag geplant haben. Nach Informationen des Tagesspiegels sprach der Salafist Wael C. (30) in einem Telefonat mit seiner in Berlin lebenden Frau davon, in die höchste Stufe des Paradieses aufzusteigen.

Mit solchen Äußerungen haben Islamisten schon mehrfach Selbstmordattentate angekündigt. Sicherheitskreise sagten, es sei ein Anschlag mit einem Pkw oder einer Bombe zu befürchten gewesen. Tatort und Tatzeitpunkt seien aber unklar. Der Mann gelte als Mitglied einer "sehr konspirativ agierenden multinationalen Gruppe", sagte Becker. In Sicherheitskreisen hieß es, ermittelt werde auch und schon länger gegen einen Islamisten aus Hessen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Berliner Behörden hatten den Mann schon länger im Visier

Die Polizei durchsuchte am Donnerstag sieben Objekte. Es handelt sich um Wohnungen in Düren, die Unterkunft der Ehefrau von Wael C. im Berliner Ortsteil Wittenau sowie eine Baustelle in Köln. Hier war Wael C. mit seiner kleinen Trockenbaufirma tätig. In dem Areal schlug ein Sprengstoffspürhund an. Was die Suche ergab, blieb am Donnerstag offen.

Wael C. war erst kürzlich von Berlin nach Düren gezogen. Der Salafist kam bei dem ebenfalls als Gefährder geltenden, 21-jährigen Konvertiten R. unter. Er war wie auch zwei weitere jetzt in Gewahrsam genommene Salafisten in der Firma von Wael C. tätig.
Die Berliner Behörden hatten Wael C. schon lange im Blick und warnten nach seinem Umzug die Kollegen in Nordrhein-Westfalen.

Hatte er Kontakt zu Anis Amri?

Bei der Durchsuchung der gemeinsamen Wohnung von R. und Wael C. stellte die Polizei jetzt Baseballschläger, Messer und in einem Versteck eine Flasche mit einer noch nicht identifizierten Flüssigkeit sicher. Wael C. hatte in Berlin möglicherweise Kontakt zu dem Tunesier Anis Amri, der am 19. Dezember 2016 den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche verübte.

Recherchen des Tagesspiegels ergaben, dass Wael C. im September 2016 mit dem Aliasnamen „Abu Qudama al-Faruq“ als Imam in der Fussilet-Moschee tätig war. In dem Gotteshaus im Stadtteil Moabit verkehrte auch Amri, zuletzt am Tag seines Anschlags. Die Behörden untersuchen auch, ob Wael C. und die weiteren Verdächtigen mit der Terrormiliz IS in Verbindungen standen.

Wael C. hat vergeblich versucht, nach Syrien zu reisen, um sich dem IS anzuschließen. Auf dem Handy von R. fand sich ein Treueschwur auf IS-Chef Abu Bakr al Baghdadi. Sicherheitskreise berichteten, Wael C. habe mit dem Berliner Salafisten Denis Cuspert in Kontakt gestanden. Cuspert agitierte von Syrien aus für den IS deutschsprachige Salafisten. Im Januar 2018 starb er bei einem Angriff von Gegnern des IS.

In Berlin wird zudem gegen die Ehefrau von Wael C. ermittelt. Sie sei 2014 ausgereist und dieses Jahr wiedergekommen, sagten Sicherheitskreise. Vermutlich sei die Frau beim IS gewesen. Zu beweisen sei das bislang jedoch nicht. In dem Verfahren gegen die Frau geht es um den Vorwurf, sie habe die Fürsorgepflicht für ihr dreijähriges Kind vernachlässigt. Das Kind kam mutmaßlich beim IS auf die Welt.

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