Thema Organspende : Ärztepräsident Montgomery kritisiert Altbischof Huber

In der Debatte um die Organspende wirft der Ärztekammerpräsident Montgomery dem Altbischof Huber eine "rückwärtsgewandte Theologie" vor.

In Deutschland wird zurzeit beim Thema Organspende über eine Widerspruchslösung debattiert.
In Deutschland wird zurzeit beim Thema Organspende über eine Widerspruchslösung debattiert.Foto: picture alliance /Soeren Stache/dpa

In der Debatte um die Organspende in Deutschland hat Bundesärztekammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery heftige Kritik am Berliner Altbischof Wolfgang Huber geübt. Dieser vertrete eine „rückwärtsgewandte Theologie“, die ihn „zutiefst entsetzt“ habe, sagte Montgomery am Montagabend auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Organspende von Tagesspiegel und Marburger Bund. Huber hatte in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am 9. September die geplante Widerspruchslösung kritisiert, nach der jeder Bürger als potenzieller Organspender gilt, es sei denn, er hat dem widersprochen. Der evangelische Altbischof nannte die geplante Widerspruchslösung eine Abkehr von einer freiwilligen Spende hin zu einer „Organbereitstellungspflicht“, der man sich nur auf dem gleichen Wege wie früher Wehrdienstverweigerer entziehen könne.

Ärztekammerpräsident Montgomery dagegen befürwortet die Einführung der Widerspruchslösung. Bisher gilt hierzulande die Zustimmungslösung, die bedeutet, dass jeder einer Organentnahme nach dem Tod zustimmen muss, zum Beispiel indem er einen Organspendeausweis ausfüllt.

Die aktuelle Debatte führt bereits zu mehr Organspenden

Die Neuregelung hin zu einer Widerspruchslösung sei nicht genug, um die in Deutschland vergleichsweise niedrigen Organspendezahlen zu erhöhen, sagte Montgomery. Man müsse die Menschen aufklären, „sie philosophisch, ethisch und religiös mitnehmen“. Denn noch sei „in unserer hedonistischen Gesellschaft“ gerade bei jungen Menschen der Gedanke ans Sterben wenig verankert und damit auch die Bereitschaft niedrig, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. „Und wenn man dann plötzlich ankommt und sagt, wir brauchen deine Organe, dann wird man damit scheitern“, sagte Montgomery. Dass Aufklärung wirke, zeige bereits die Debatte über die Organspende, dies seit einigen Wochen in Deutschland geführt wird. „In diesem Jahr sind 18,6 Prozent mehr Organspenden erfolgt als ein Jahr zuvor“, erklärte Montgomery.

Der Tagesspiegel hat ein E-Magazin rund um das Thema Organspende veröffentlicht. Auf 36 Seiten beleuchten Experten, Patienten und Journalisten das Thema. Das Magazin kann kostenlos bestellt werden unter tagesspiegel.de/organspende.

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