Tote bei Krawallen in Venezuela : Generalstreik soll Maduro aus dem Amt drängen

Staatschef Maduro hält sich im Amt. Nun ruft sein Gegner Guaidó zu massiven Streiks auf. Die Lage verschärft auch die Spannungen zwischen Russland und den USA.

In Caracas kam es wieder zu Straßenkämpfen.
In Caracas kam es wieder zu Straßenkämpfen.Foto: Fernando Llano/AP/dpa

Mit einem Generalstreik will Venezuelas selbsternannter Übergangspräsident Juan Guaidó den Druck auf Staatschef Nicolás Maduro erhöhen. Der Oppositionsführer kündigte am Mittwoch (Ortszeit) bei Protesten in der Hauptstadt Caracas an, ab Donnerstag solle mit abgestuften Arbeitsniederlegungen begonnen werden. Dies solle zu einem Generalstreik ausgeweitet werden.

Guaidó hatte am Dienstag die "Operation Freiheit" zur Beendigung der Regierung Maduros ausgerufen. Zwar gingen zahlreiche seiner Anhänger auf die Straße. Eine Rebellion einiger Soldaten zur Unterstützung des Oppositionsführers scheiterte aber. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden Dutzende Menschen verletzt.

Bei erneuten Anti-Maduro-Protesten in Caracas wurde am Mittwoch nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Venezolanische Beobachtungsstelle für soziale Konflikte eine Frau erschossen. Die 27-Jährige sei durch eine Kugel am Kopf getroffen worden. Zuvor hatten die Gesundheitsdienste von mindestens 27 Verletzten gesprochen. Mindestens ein Mensch erlitt demnach eine Schussverletzung. Die Nationalgarde setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Guaidó rief seine Anhänger am Mittwoch zu weiteren Protesten auf: "Wir werden auf der Straße weitermachen, bis wir Freiheit bekommen."

Maduro versammelte am Mittwoch tausende Unterstützter nahe des Präsidentenpalastes Miraflores. Er drohte den Soldaten, die sich am Dienstag gegen ihn gestellten hatten, dabei harte Konsequenzen an. Er werde nicht zögern, verurteilte Anführer des "kriminellen Putsches" hinter Gitter zu bringen, sagte der Linksnationalist.

Guaidó und Maduro liefern sich schon seit Monaten einen erbitterten Machtkampf in dem südamerikanischen Krisenstaat. Rund 50 Staaten, unter ihnen die USA und Deutschland, haben Guaidó als Übergangspräsidenten anerkannt. Maduro kann auf die Unterstützung von Staaten wie Russland, China und Kuba zählen - und offenbar weitestgehend auf den Rückhalt der venezolanischen Armee, die ein wichtiger Machtfaktor ist.

Washington und Moskau drohen

Die Zuspitzung der Lage führt auch zum Streit zwischen den USA und Russland. US-Außenminister Mike Pompeo forderte nach Angaben seines Hauses am Mittwoch in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow ein Ende der russischen Unterstützung für Maduro. Die Einmischung Russlands und Kubas in den Konflikt berge das Risiko einer Destabilisierung Venezuelas und belaste die Beziehungen zwischen Russland und den USA. Lawrow erklärte, weitere "aggressive Schritte" in Venezuela könnten gravierendste Konsequenzen zur Folge haben.

Russland hatte zuvor US-Angaben dementiert, es habe Maduro überredet, nicht aus Venezuela zu fliehen. Am Mittwoch wurden erneut Massendemonstrationen in Venezuela erwartet. Am Dienstag waren dort bei Protesten mehr als 100 Menschen verletzt worden.

Pompeo sagte am Mittwoch dem Sender Fox Business, die USA seien vorbereitet, militärisch in Venezuela tätig zu werden. "Ein militärisches Eingreifen ist möglich. Wenn es das ist, was erforderlich ist, werden es die USA tun." Die USA bevorzugten aber einen friedlichen Machtübergang. US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan sagte wegen der Lage in Venezuela eine geplante Reise nach Europa ab. So könne er sich besser mit Präsident Donald Trump abstimmen, teilte das Pentagon mit. Am Mittwoch soll der Nationale Sicherheitsrat im Weißen Haus zusammenkommen. (AFP, Reuters)

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