Transatlantische Partnerschaft : Steinmeier für mehr Dialog mit Trumps USA

Bundespräsident kritisiert "Hochnäsigkeit" gegenüber Amerika bei Ordensverleihung an den Historiker Winkler. Deutschland hat "ganz ähnliche Herausforderungen"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht dem Historiker Heinrich August Winkler im Schloss Bellevue das Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht dem Historiker Heinrich August Winkler im Schloss Bellevue das Großen...Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ermuntert Deutschland zu einem intensiveren Dialog mit den USA unter Donald Trump. "Ich rate, unsere gewachsenen transatlantischen Kontakte und Gespräche zu vertiefen, statt sie über Bord zu werfen", sagte Steinmeier in der Rede zur Verleihung des großen Bundesverdienstkreuzes an den Historiker Heinrich August Winkler in Berlin. Er kritisierte "diejenigen, die mit einer gewissen kulturellen Hochnäsigkeit dem Bruch mit den USA das Wort reden".

Gräben in den USA, erste Risse in Deutschland

Europa habe es "mit ganz ähnlichen gesellschaftlichen Herausforderungen zu tun" wie die USA: die Verrohung der politischen Sprache, insbesondere im Netz; die zunehmende Polarisierung und eine schwindende Bindekraft der politischen Mitte; das Auseinanderdriften von Lebenswelten, insbesondere zwischen Großstädten und ländlichen Räumen. In Amerika habe "diese Entwicklung schon tiefe und weithin sichtbare Gräben gerissen". Aber "auch bei uns kann man sie schon bemerken. Noch sind es erste Risse, doch sie sind keineswegs harmlos."

Der 79-jährige Winkler, der in seinen Büchern für "das normative Projekt des Westens" geworben hatte, rief in seiner Dankesrede ebenfalls dazu, die Zusammengehörigkeit mit den USA nicht in Frage zu stellen. Sein jüngstes Buch stellt die besorgte Frage: "Zerbricht der Westen?" Die transatlantische Partnerschaft sei "selten so angespannt wie heute, aber auch selten so wichtig" gewesen wie heute.

Winkler: Kultur des Westens muss immer neu verteidigt werden

"Die politische Kultur des Westens, der sich Deutschland viel zu spät geöffnet hat, ist keine gesicherte Errungenschaft", mahnte Winkler. "Sie muss immer neu verteidigt werden." Vier deutsch-jüdische Re-Emigranten hätten sein Denken und seine Forschung besonders geprägt: Hans Rothfeld, Hans Rosenberg, Ernst Fraenkel und Richard Loewenthal.

Unter den Gästen bei der Ordensverleihung in Schloss Bellevue waren Ex-Bundespräsident Joachim Gauck und Daniela Schadt, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD), der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des Bundestags, Norbert Röttgen (CDU), und Carsten Schneider, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.


Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!