Trauergottesdienst in Phoenix : Ex-Vizepräsident Biden würdigt McCain als „Giganten“

Tausende Trauernde nehmen in Arizona Abschied von US-Senator McCain. Ex-Vizepräsident Biden hält eine bewegende Ansprache.

Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden beim Trauergottesdienst für Senator John McCain.
Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden beim Trauergottesdienst für Senator John McCain.Foto: Matt York/REUTERS

In einer bewegenden Trauerrede hat der frühere US-Vizepräsident Joe Biden den verstorbenen US-Senator John McCain gewürdigt. "Mein Name ist Joe Biden. Ich bin ein Demokrat. Und ich liebe John McCain", begann Biden am Donnerstag seine Rede bei der Trauerfeier in einer Kirche in Phoenix im Bundesstaat Arizona für den verstorbenen Republikaner. McCain sei für ihn wie ein Bruder gewesen, ihre Verbundenheit habe gegenüber politischen Differenzen überwogen.

McCain sei ein "Gigant" gewesen, dessen Charakter, Mut und Integrität die Nation inspiriert habe, sagte Biden. Während seiner Ansprache wischte sich der Ex-Vizepräsident mehrfach Tränen weg, als er auf seine Freundschaft zu McCain zurückblickte, die eine vergangene Ära der Zusammenarbeit zwischen Demokraten und Republikanern in den USA markierte. An der Trauerfeier vom Donnerstag nahmen rund zwei Dutzend Senatoren beider Parteien teil sowie McCains Kinder und seine Frau Cindy.

Der Demokrat Biden - der lange Zeit gemeinsam mit dem Republikaner McCain im US-Senat saß - bedauerte, dass die Suche nach politischem Konsens in den Hintergrund gerückt sei. „Alles, was wir heute machen, ist, die Opposition in beiden Parteien anzugreifen, ihre Motive, nicht den Inhalt ihrer Argumente“, sagte er. „John verstand, dass Amerika vor allem eine Idee war. Verwegen und riskant. Organisiert nicht um Stämme herum, sondern um Ideale.“

Biden zeigte sich überzeugt, dass McCains politisches Wirken über dessen Tod hinweg großen Einfluss haben werde. „Johns Vermächtnis wird Generationen von Anführern inspirieren und herausfordern“, sagte Biden. „John McCains Einfluss in Amerika ist nicht vorbei.“

Trauerfeier in Washington findet Samstag statt

Bereits am Mittwoch hatten Tausende Trauernde in Phoenix Abschied von McCain genommen. Mit dem Gottesdienst am Donnerstag endeten die Trauerfeierlichkeiten in McCains Heimatstaat Arizona. Der US-Senator wäre am vergangenen Mittwoch 82 Jahre alt geworden. Am vergangenen Samstag war er an einem Hirntumor gestorben.

McCains Leiche sollte am Nachmittag (Ortszeit) mit einer Regierungsmaschine nach Washington gebracht werden. Am Freitag soll der Tote dann im Kapitol in der US-Hauptstadt Washington aufgebahrt werden. Wie schon in Phoenix werden auch dort Bürger die Möglichkeit haben, sich von McCain zu verabschieden.

Am Samstag findet eine Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington statt. Dort sollen unter anderem die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush Ansprachen halten. Aus Deutschland wird Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet.

US-Präsident Donald Trump - dessen Widersacher McCain war - nimmt an der Veranstaltung nicht teil. Nach McCains Tod am Samstag auf seiner Ranch in Arizona war Trump unter Druck geraten, die Verdienste des Kriegsveteranen und Senators öffentlich zu würdigen - was Trump am Montag schließlich tat. Am Sonntag soll der Kriegsveteran McCain auf dem Gelände der Marineakademie in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland beigesetzt werden.

McCains Ex-Vizekandidatin Palin nicht eingeladen

McCains frühere Vize-Kandidatin bei der US-Präsidentschaftswahl 2008, die Republikanerin Sarah Palin, ist Medienberichten zufolge nicht zu den Trauerfeiern für den gestorbenen Senator eingeladen. Die Berichte kommentierte eine der Familie Palin nahe stehende Quelle gegenüber dem Sender CNN am Donnerstag (Ortszeit)mit den Worten: „Aus Respekt vor Senator McCain und seiner Familie haben wir an dieser Stelle nichts hinzuzufügen.“ Auch eine langjährige Freundin der McCain-Familie hatte dem Magazin „People“ bestätigt, dass keine Einladungen ausgesprochen worden seien.

McCain hatte bei der Präsidentenwahl 2008 gegen Barack Obama verloren. Ein Grund für seine Niederlage war wohl auch die Entscheidung für die international unerfahrene Palin als Vize-Kandidatin. Wiederholt war sie bei Interviews in Fettnäpfchen getreten und hatte politische Wissenslücken offenbart. In den Monaten vor seinem Tod habe McCain die Entscheidung zugunsten Palins bereut, berichtete die „New York Times“ im Mai. Die Entscheidung gegen Joe Lieberman als seinen Vize sei „ein weiterer Fehler, den ich gemacht habe“, sagte er dem Blatt. (dpa)

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