Trump, Erdogan und der Streit um den Pastor : Gescheiterter Kuhhandel

Trump gewährt Einblicke in seine Geheimdiplomatie mit Erdogan im Streit um den in der Türkei inhaftierten US-Geistlichen.

Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel im Juli.
Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel im Juli.Foto: AFP

Als die Türkin Ebru Özkan im Juni am Flughafen von Tel Aviv festgenommen wurde, konnte sie nicht ahnen, dass ihr Schicksal bald mit dem eines christlichen Geistlichen und der internationalen Politik verknüpft sein würde. Der israelische Geheimdienst ließ Özkan unter dem Vorwurf einsperren, sie habe der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas im Gaza-Streifen geholfen. Erst mehr als einen Monat später konnte die 27-jährige nach Hause fliegen – ihre Heimkehr war Teil eines internationalen Handels, der zur Freilassung des amerikanischen Pastors Andrew Brunson in der Türkei führen sollte, am Ende aber an türkischen Nachforderungen scheiterte.

US-Präsident Donald Trump bestätigte jetzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erstmals, wie die Geheimverhandlungen mit der Türkei über Brunson abliefen. Trumps Schilderungen und Äußerungen seines türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan gewähren einen Einblick in die Hinterzimmer der Diplomatie, in denen ungeachtet aller öffentlichen Bekenntnisse zur Unabhängigkeit der Justiz über politische Deals verhandelt wird.

Beim Nato-Gipfel am 11. Juli bat Erdogan den US-Präsidenten um Hilfe im Fall Özkan; damals war das Verhältnis zwischen den beiden Staatschefs noch in Ordnung. Nach seinem Treffen mit Erdogan war Trump nach eigenen Worten deshalb sicher, sich mit der türkischen Seite auf einen Deal verständigt zu haben. Er selbst sollte für Özkans Freilassung sorgen, dann werde Erdogan den Pastor Brunson ziehen lassen. Die US-Regierung dringt seit langem auf die Freilassung des Missionars, der seit fast zwei Jahren unter äußerst fragwürdigen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft sitzt. Kritiker werfen Erdogan vor, westliche Häftlinge als politische Geiseln zu benutzen.

Trump erfüllte seinen Teil der Vereinbarung

Trump erfüllte seinen Teil der Vereinbarung, er redet mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und erreichte die Freilassung von Özkan. „Ich habe diese Person für ihn rausgeholt“, sagte Trump jetzt im Reuters-Interview über Özkan und Erdogan. Drei Tage nach Özkans Heimkehr stand in Izmir ein Gerichtstermin für Pastor Brunson an, bei dem Washington fest mit der Freilassung des Missionars rechnete. Trump fiel aus allen Wolken, als das türkische Gericht die Untersuchungshaft für Brunson verlängerte. Als Zeichen ihrer Gesprächsbereitschaft ließen die türkischen Behörden den angeklagten Priester am 25. Juli aus dem Gefängnis in Hausarrest überstellen, doch für Trumps Regierung war das zu wenig. Trump verkündete seine Wirtschaftssanktionen, die den Kurs der türkischen Lira in den Sinkflug schickten.

Erdogans Regierung bestreitet, dass sie Brunsons Freilassung fest zugesagt habe. Nach Medienberichten wollte Ankara nicht nur die Aktivistin Özkan freibekommen, sondern auch durchsetzen, dass die US-Behörden laufende Ermittlungen gegen die türkische Staatsbank Halkbank wegen Verletzung amerikanischer Iran-Sanktionen einstellen. Trumps Regierung habe diese türkische Forderung abgelehnt, meldete das „Wall Street Journal“.

Nun geben sich beide Präsidenten kompromisslos. Trump sagte, die Türkei begehe „einen schrecklichen Fehler“. Erdogan warf wiederum den Amerikanern einen Angriff auf die türkische Wirtschaft vor, der auf den islamischen Glauben der Türken und ihre nationale Ehre ziele. Die Suche nach einer Lösung steckt in einer Sackgasse.

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