Trump und der Fall Kavanaugh : Eiskaltes Kalkül

Welche Strategie der US-Präsident im Kongresswahlkampf wählt. Ein Kommentar.

US-Präsident Donald Trump bei einer Kundgebung in Mississippi.
US-Präsident Donald Trump bei einer Kundgebung in Mississippi.Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Donald Trump ist impulsiv, leicht reizbar und liebt es, seine Gegner anzugreifen. Gerne auch unter der Gürtellinie. Gleichzeitig ist er ein äußerst erfolgreicher Wahlkämpfer. Seine Art, mit der republikanischen Basis zu kommunizieren, mag viele Beobachter abstoßen und empören. Aber er versteht es wie wenige US-Präsidenten vor ihm, das eigene Lager zu mobilisieren. Er verschärft die Spaltung der Gesellschaft – weil er davon profitiert.

Das ist eiskaltes Kalkül, kein Kollateralschaden. Die einen lieben ihn oder zumindest die Ergebnisse seiner Politik, die anderen hassen ihn, nur wenige sind leidenschaftslos in dieser Frage. "Ich könnte jemanden mitten auf der 5th Avenue töten und würde dennoch keine Wähler verlieren", hat Trump einmal gesagt. Das mag übertrieben sein. Aber der schier unerschütterliche Rückhalt bei seiner Basis bestärkt seinen Glauben, dass er sich fast alles erlauben kann.

In der Debatte um seinen Richterkandidaten Brett Kavanaugh hat er sich dafür entschieden, den "Gender Gap", die Kluft zwischen den Geschlechtern, zu akzeptieren. Er weiß: Viele Frauen werden ihn so oder so nicht mehr wählen. Stattdessen setzt er auf die Mobilisierung jener Männer, die die Konkurrenz der Frauen fürchten.

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