Trump vs. Bloomberg beim Super Bowl 2020 : Das Clip-Duell der Giganten

Das gab's noch nie: Am Sonntag, in der Halbzeitpause beim Super Bowl, tritt Michael Bloomberg gegen Donald Trump an. Beide zahlen je elf Millionen Dollar dafür.

Malte Lehming

Was für ein Duell! Wenn am Sonntag in Miami im US-Bundesstaat Florida beim Super Bowl, dem wohl größten TV-Sportereignis der Welt, die „Kansas City Chiefs“ auf die „San Francisco 49ers“ treffen, werden rund hundert Millionen Amerikaner das Spektakel live vor ihren Fernsehgeräten verfolgen. Der Super Bowl bricht regelmäßig alle Rekorde. Legendär sind neben der Halbzeitshow vor allem die Werbeclips. Innovativ, lustig, auf- und anregend sollen sie sein. Entsprechend tief müssen die Unternehmen dafür in ihre Taschen greifen.

Dass aber zwei Milliardäre die größte Werbebühne der Welt für ihren Präsidentschaftswahlkampf nutzen, ist ein absolutes Novum. Das gab’s noch nie. Donald Trump gegen Michael Bloomberg, den 77-jährigen Medienmogul und ehemaligen Bürgermeister von New York. Beide geben je elf Millionen Dollar für je eine Minute Werbezeit aus, wobei Trump seine Minute in zwei 30-Sekunden-Clips teilt. Der eine ist bereits bekannt, der andere soll eine Überraschung sein.

Bloomberg war in die Offensive gegangen. Von den zwei Milliarden Dollar, die er für seinen Wahlkampf ausgeben will, hat er bereits 275 Millionen investiert – in Fernseh- und Radio-Werbung sowie Anzeigen in sozialen Netzwerken. Sein Privatvermögen beläuft sich auf mehr als 50 Milliarden Dollar. Er kann also jederzeit nachlegen.

„Und das Beste kommt erst noch“

Bloombergs Super-Bowl-Clip, der am Donnerstag bekannt wurde, ist ungewöhnlich, weder lustig, noch besonders innovativ, sondern ernst, sehr ernst. Trump wird mit keinem Wort erwähnt, stattdessen Calandrian Kemp gezeigt, die die Geschichte ihres Sohnes George erzählt. Der war im Alter von zwanzig Jahren bei einer Auseinandersetzung erschossen worden. Dabei wird ein Schriftzug eingeblendet: „2900 Kinder sterben jedes Jahr durch Waffengewalt.“ Es folgen die Worte der Mutter: „Ich weiß, dass sich Mike vor der Waffenlobby nicht fürchtet – sie fürchtet sich vor ihm, und das sollte sie auch.“ Bloomberg hat sich einen Namen gemacht als prononcierter Gegner der amerikanischen Waffen-Lobby.

Der Clip geht unter die Haut, ist untypisch für das Super-Bowl-Format, obwohl George, der Getötete, ein Football-Spieler und Football-Fan war. Im Trikot ist er stolz auf Bildern zu sehen.

Auch Trumps 30-Sekunden-Film ist eher unspektakulär. Als der Präsident von den Plänen Bloombergs hörte, wollte er schlicht nachziehen, um dem Rivalen nicht das Feld zu überlassen. Amerika sei unter Trump „stärker, sicherer und wohlhabender“ geworden, sagt ein Erzähler zu Bildern, die Trump vor Militärkulisse und bei Wahlkampfauftritten zeigen. Die niedrige Arbeitslosigkeit wird erwähnt und die gestiegenen Löhne. Dann ruft Trump: „Und das Beste kommt erst noch.“

Der zweite 30-Sekunden-Clip ist ein Geheimnis

Was der zweite 30-Sekunden-Clip zeigt, und ob Trump darin womöglich auf die aktuellen Ereignisse im Impeachment-Verfahren gegen ihn eingeht, ist ein Geheimnis. Gut möglich, dass der Präsident erneut in jenen Angriffs-Modus wechselt, der seine Anhänger am stärksten enthusiasmiert.

Trump und Bloomberg, beide schon recht alt, beide aus New York, beide Selfmade-Milliardäre, das Nettovermögen des Präsidenten wird auf rund drei Milliarden Dollar geschätzt. Ihr Fernduell beim Super Bowl dürfte der Auftakt zum aufwändigsten und teuersten Wahlkampf in der US-Geschichte werden.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!