Über die Benennung von Krankheiten : Achtet auf die Seuchennamen!

Überraschend ist, dass der Name "Corona", weil weiblich, bisher nicht unter Diskriminierungsverdacht steht. Eine Glosse.

Auf der Suche nach dem Virus: Ein Labor in Bethlehem.
Auf der Suche nach dem Virus: Ein Labor in Bethlehem.Foto: imago images/Xinhua

Das erste historische Ereignis, an das Menschen meiner Generation sich erinnern, war die Ermordung Kennedys. Bei anderen ist es die Mondlandung oder Nine Eleven. Bei meinem Sohn, fünf, und bei vielen anderen Kindern wird es natürlich Corona sein. Gibt es irgendwas Gutes daran? Na klar. Die Kriminalitätsrate wird bei einigen Delikten sinken.

Wenn kaum jemand auf der Straße ist, gibt es kaum Raubüberfälle. Wenn alle zu Hause sind, gibt’s keine Wohnungseinbrüche. Allerdings dürfte es bei 14-tägiger Quarantäne in der Zweiraumwohnung zu dem einen oder anderen blutigen Familiendrama kommen. Auch die Scheidungs- und Trennungsrate wird steigen. Auf der anderen Seite werden in neun Monaten garantiert deutlich mehr Kinder geboren als üblich. Ich erhebe hiermit das Urheberrecht auf die Formulierung „Generation Corona“.

Ich frage mich, ob jetzt eigentlich auch das Dealen im Görlitzer Park unterbunden wird, wo schon die Clubs und Schwimmbäder schließen. Die Päckchen mit dem Stoff sind ja auch potentielle Coronabomben. Ich denke, das werden sie nicht unterbinden, Kreuzberg bleibt Kreuzberg. Aber weil fast alle zu Hause sind, haben Berlins Dealer trotzdem eine harte Zeit. Warum veröffentlicht das Bezirksamt nicht ein paar Telefonnummern, unter denen man sich was nach Hause bestellen kann?

Die Namen von Krankheiten dürfen nicht auf eine Bevölkerungsgruppe verweisen

Im Internet kursiert das Gerücht, das Einatmen von Feuerwerksrauch schütze vor dem Virus. Ärzte raten ab. Knoblauch oder das Trinken von Sesamöl sind auch für die Katz. Wer Feuerwerk aus China bestellt hat, darf aber bedenkenlos das Paket öffnen, den Transport hält das Virus nicht durch.

Überraschend finde ich, dass der Name „Corona“, weil weiblich, bisher nicht unter Diskriminierungsverdacht steht. Die Weltgesundheitsorganisation hat nämlich vor einer Weile beschlossen, dass bei der Benennung von Krankheiten und Viren niemand mehr herabgesetzt werden darf. Dies war bei der hispanophoben „Spanischen Grippe“ der Fall, die Syphilis hieß hierzulande „Franzosenkrankheit“, in Polen „deutsche Krankheit“. Heute müssen Seuchennamen sich weltweit gut aussprechen lassen, "Coron*o/a" geht nicht. Aber sie dürfen nicht auf eine Bevölkerungsgruppe oder Tiere verweisen, wie es noch bei Hühnergrippe und Rinderwahnsinn der Fall war. Weil Biermarken als Namensgeber erlaubt sind, könnte man die Hühnergrippe künftig „Budweiser“ nennen, aber es wäre mit Klagen dieser Firma zu rechnen. Die Marke Corona hat natürlich mit besonders großen Umsatzeinbußen zu kämpfen, manche glauben, das Bier sei verseucht. Es hilft wohl auch nichts, es in ein harmloseres Übel umzubenennen, etwa „Fußpils“ oder „Akne Export“.

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