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Um Leyens Klimaziele zu erreichen : Europa braucht 44 Millionen E-Autos bis 2050

Teurer Klimaschutz. Eine Studie zeigt: Allein für Ladestationen sind Investitionen von 80 Milliarden Euro nötig.

Allein auf weiter Flur: Für die Klimaziele der EU sind erheblich mehr E-Autos nötig als bisher.
Allein auf weiter Flur: Für die Klimaziele der EU sind erheblich mehr E-Autos nötig als bisher.Foto: Sina Schuldt/dpa

Wenn Europa seine Klimaziele erreichen will, muss es die Zahl seiner öffentlichen Ladesäulen für E-Autos vervielfachen. Aus den 185 000 Ladepunkten Ende 2019 müssen bis 2025 mindestens 1,3 Millionen werden und bis 2030 sogar drei Millionen. Eine Ladesäule kann Ladepunkte für mehrere Autos bereitstellen.

Zu diesem Ergebnis kommt Transport & Environment (T & E), eine Dachorganisation der europäischen Umweltverbände. Die Studie wird am Mittwoch veröffentlicht und liegt dem Tagesspiegel vorab vor.

Die Untersuchung zeigt, wie groß die ökonomische Herausforderung durch das Pariser Klimaabkommen und die daraus abgeleiteten europäischen Ziele ist. Die neue EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) will, dass die EU-Staaten ihre CO2-Emissionen bis 2030 um 50 bis 55 Prozent senken.

Um das zu schaffen, wären nach Berechnungen von T & E mindestens 33 Millionen E-Autos im Jahr 2030 notwendig. Klimaneutralität würde sogar 44 Millionen dieser Fahrzeuge erfordern. Eine solche Treibhausgasneutralität peilt die EU-Kommission mit ihrem „European Green Deal“ aber erst für 2050 an.

Im Moment sind von den 280 Millionen Pkw in der EU nur zwei Prozent elektrisch angetrieben. Nicht nur VW will aber seinen E-Anteil an den Verkäufen anheben. Die deutschen Autohersteller haben angekündigt, bis 2024 rund 50 Milliarden Euro in die Elektromobilität zu investieren.

Wie teuer allein die Ladesäulen werden könnten, haben nun die Experten von T & E errechnet. Die hohen absoluten Beträge setzen sie ins Verhältnis zu den Kosten, die jedes Jahr für neue Infrastruktur anfallen. Die zusätzlichen Ladesäulen inklusive Installation und Verstärkung der Stromnetze würden 2020 mit 600 Millionen Euro zu Buche schlagen, mit 1,8 Milliarden Euro 2025 und 2,9 Milliarden 2030. Aufsummiert für diese zehn Jahre wären es 20 Milliarden Euro.

Deutschland schneidet relativ gut ab

Doch damit nicht genug: Die private Ladeinfrastruktur – etwa in Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern oder in Unternehmen – würde weitere 60 Milliarden Euro kosten. Diese insgesamt 80 Milliarden Euro bis 2030 entsprechen fast den 100 Milliarden Euro, die in der EU jedes Jahr in die Verkehrsinfrastruktur gesteckt werden.

Die Umweltorganisationen verweisen allerdings darauf, dass die Ladesäulen zum Beispiel 2025 nur drei Prozent des Betrages kosten würden, den die EU für Subventionen auf fossile Energien ausgibt. Die Staatshilfen für diesen Sektor lagen nach Berechnungen der EU-Kommission 2019 bei 55 Milliarden Euro.

Bei der bisherigen Ausstattung mit Ladesäulen schneidet Deutschland im EU- Vergleich recht gut ab. Um die E-Mobilität voranzubringen, fordert T & E, dass der Anschluss einer Ladesäule nicht mehr als drei Monate dauern darf. Und in Wohngebieten mit schlechter Luft und geringen Einkommen sollten elektrische Carsharing-Flotten gefördert werden.

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) verlangt von den Autoherstellern mehr Tempo beim Umstieg auf klimafreundlichere Antriebe. Er sagte der dpa, die Innovationen müssten schneller auf die Straße kommen. Perfektion dürfe nicht zu Zeitverlust führen.

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