Umgang mit Coronavirus : Die Nachzügler beim Runterfahren

Laissez-faire statt Lockdown in Schweden, Japan und den Niederlanden? So einfach ist es nicht. Ein Blick auf Länder, die es anders machen wollten.  

Nur wenige Menschen waren am Mittwoch im Vergnügungsviertel Shinsekai in Osaka unterwegs.
Nur wenige Menschen waren am Mittwoch im Vergnügungsviertel Shinsekai in Osaka unterwegs.Foto: dpa

Am Anfang wirkte Japan besonders streng: Anfang Februar, als die Pandemie trotz des ersten Falls in Deutschland noch weit schien, durfte niemand mehr aus der chinesischen Provinz Hubei nach Japan einreisen. 

Dann wurde das Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“, das in Yokohama angelegt hatte, unter Quarantäne gestellt. Premierminister Shinzo Abe forderte die Japaner auf, möglichst von Zuhause zu arbeiten und Menschenansammlungen zu vermeiden. 

Weiterreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens gab es aber nicht. Und später wurde die Quarantäne des Kreuzfahrtschiffes als chaotisch kritisiert. 

Erst als aus dem Internationalen Olympischen Komitee Ende Februar verlautete, dass die für den Sommer geplanten Olympischen Spiele in Japan möglicherweise abgesagt werden müssten, wenn das Virus nicht unter Kontrolle gebracht würde, wurden die Maßnahmen verschärft: Die Schulen wurden geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt.

Darüber hinaus blieb das Leben der Menschen aber weniger eingeschränkt als anderswo – und dennoch verzeichnete Japan viel weniger Infektionsfälle als die meisten anderen Länder. Offenbar, weil viel weniger getestet wurde. 

Starker Anstieg nach dem Olympia-Aus

Doch auch die niedrigen Zahlen halfen nicht: Am 24. März wurden die Olympischen Spiele zum ersten Mal in ihrer 124-jährigen Geschichte zwar nicht abgesagt, aber verschoben.

Und seitdem? Steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Japaner deutlich an. Vom ersten bekannten Fall Mitte Januar zum 24. März wurden laut Weltgesundheitsorganisation 1128 Fälle registriert. Vom 24. März bis heute (8.April) ist die Zahl auf 4257 offiziell registrierte Fälle gestiegen.

Notstand, aber keine harte Abschottung

Und am Dienstag rief Regierungschef Abe dann nach langem Zögern bis zum 6. Mai den Notstand aus, für Tokio, die drei Nachbarprovinzen Chiba, Kanagawa und Saitma sowie für Osaka, Hyogo und Fukuoka. 

Eine harte Abschottung findet dennoch nicht statt: Die Behörden fordern zwar die Bürger auf, abgesehen von nötigen Besorgungen möglichst zu Hause zu bleiben, und viele Geschäfte, Kinos und Bahnhofsläden sind jetzt geschlossen. 

Aber weder können Menschen bei Missachtung der Behördenaufforderungen bestraft werden, noch können Firmen gezwungen werden, die Arbeit einzustellen. Dennoch: Das Thema Corona, in Japan lange an den Rand gedrängt, ist im Alltag angekommen.

Schweden Maßnahmen werden strenger

Ähnlich in Schweden: Dort waren bis vor zwei Wochen 25 Menschen an Covid-19 gestorben. Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen hatte die Regierung da zwar bereits getroffen, aber die fielen moderat aus. 

So waren Veranstaltungen mit bis zu 500 Menschen nach wie vor erlaubt und Kindergärten und Schulen bis einschließlich zur neunten Klasse geöffnet, die Gastronomie und Skigebiete ebenfalls. 

Nach Angaben der schwedischen Gesundheitsbehörde vom Dienstag sind in dem Land inzwischen inzwischen 591 Menschen an Covid-19 gestorben. Insgesamt infizierten sich bislang 7693 Menschen. 

Und so langsam greift das Land zu härteren Mitteln: Inzwischen gilt das Versammlungsverbot für mehr als 50 Menschen sowie ein Besuchsverbot in Pflegeheimen.

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Die Regierung strebt außerdem erweiterte Befugnisse im Kampf gegen das Virus an. Sie will ohne Zustimmung des Parlaments öffentliche Versammlungen weiter einschränken und Geschäfte schließen lassen können. Die zusätzlichen Befugnisse würden zunächst nur für drei Monate gelten. Das Parlament muss dem Gesetzesentwurf noch zustimmen.

Runterfahren statt "Herdenimmunität"

In den Niederlanden setzte die Regierung noch Mitte März auf das Prinzip „Herdenimmunität“, ruderte dann aber nach viel Kritik bald zurück und beschloss weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. 

Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg dort den Gesundheitsbehörden zufolge am Dienstag auf 19.580. Damit verlangsamte sich die Zunahme weiter. Die Zahl der Toten stieg demnach um 234 auf 2101. 

Zuletzt wurde bekannt, dass die Niederländer jetzt Deutsche mit Warnschildern an der Grenze von unnötigen Osterreisen in ihr Land abhalten wollen. „Reise nicht notwendig? Bleiben Sie bitte zu Hause!“, heißt es auf Leuchttafeln, die an der Grenze zu Niedersachsen aufgestellt wurden, berichtete das „Dagblad van het Noorden“. Die Hoffnung sei, dass Deutsche ohne dringenden Reisegrund kehrtmachten. (dpa/AFP) 


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