Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Wie jeder weiß, ist es der Sinn der Wissenschaft, uns mit Zahlen und Fakten zu beweisen, was wir ohnehin schon wissen. Oder jedenfalls fühlen. Jeder von uns weiß (oder fühlt jedenfalls): Aufs Ganze gesehen, ist das Wetter am Wochenende immer schlechter als unter der Woche. Die meisten von uns haben das bisher persönlich genommen, als eine Art individueller Verfolgung durch höhere Mächte: Nun habe ich mich so auf das Wochenende gefreut, ich habe es so nötig, nach der für mich so besonders anstrengenden Woche mich einmal bei schönem Wetter in den Straßencafés und im Grünen zu erholen – nun hat sich alles gegen mich verschworen und lässt es regnen. Und jetzt beweist ein Forscherteam der Universität Karlsruhe: Was wir spürten, ist richtig. Das Wetter ist wirklich am Wochenende immer schlechter als unter der Woche. Es geht aber nicht gegen uns persönlich. Es geht gegen alle. Und es sind nicht höhere Mächte dafür verantwortlich. Sondern wir selbst.

Die Karlsruher Untersuchungen ergaben: Montag und Dienstag sind oft trockene, sonnenreiche Tage, Mittwoch ist der wärmste Wochentag, danach geht es bergab, samstags gibt es 10,3 Extramillimeter Regen, und an jedem Tag des Wochenendes fehlt eine Viertelstunde Sonnenschein. Warum? Weil wir die ganze Woche arbeiten, dabei mit Industrie und Autofahren Aerosole und Feinstaubteilchen in die Luft ausstoßen, wo sie die Sonne blockieren und Wolken bilden. Am Freitagabend ist der Höhepunkt dieser Produktion erreicht, übers Wochenende sinkt das Zeug wieder langsam zu Boden, am Sonntagabend kommt es dort an, montags scheint die Sonne wieder durch, alles beginnt von vorn.

Ein Teufelskreis. Wir versauen uns mit Arbeit nicht nur die Woche, sondern auch das Wochenende, es gibt kein Entrinnen. Wenn die Leute nicht mehr im Büro und in Lokalen rauchen dürfen, sondern raus auf die Straße müssen, wird alles sogar schlimmer. Hinzu kommt, dass oft genug auch unter der Woche das Wetter schlecht ist, mit dem Ergebnis, dass es am Wochenende infolge unseres Schaffens katastrophal und unerträglich wird, denn eines ist klar: Wochenendwetter kann nicht besser sein als Wochenwetter, sagt die Wissenschaft, daran wird auch die Klimakatastrophe nichts ändern, die Relationen bleiben.

Was sollen wir nur tun? Das Wochenende auf Dienstag und Mittwoch legen? Bringt nichts, logisch. Im Wochenverlauf bisschen mehr auf lau machen, das Leben genießen? Schadet dem Bruttosozialprodukt. Den Gesamtrhythmus verändern, also vier Wochen durchschrubben, um dann acht Tage zu genießen, mit anfangs mäßigem, dann sich verschönerndem Wetter? Das halten wir nicht durch.

Man könnte die Arbeit mehr lieben, mal sehen, morgen. Oder das schlechte Wetter, nächsten Sonntag. Oder beides?

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