Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Manchmal kann eine Zeitungsmeldung ein Leben verändern, meines zum Beispiel. Gestern stand in der Zeitung: „Mittagsschlaf senkt das Herzinfarkt-Risiko“. Schon lag ich nach dem Essen auf der Couch, Beine hoch, ein Viertelstündchen. Der Harvard-Mediziner Dimitrios Trichopoulos, berichtete „Geo“ einer AP-Meldung zufolge, habe seit 1994 die Lebensläufe von mehr als 23 000 Griechinnen und Griechen verglichen und festgestellt: Unter denen, die im Laufe der Jahre an einem Herzleiden starben, waren vergleichsweise wenige, die sich regelmäßig mittags zur Ruhe legten. Das Infarkt-Risiko sinke um bis zu 37 Prozent. Daran kann man nicht vorbei. Also hingelegt und lang gelebt!

Und die Arbeit? Was ist mit der Arbeit? Kann man mitten im Arbeitstag hinabsinken in die Bewusstlosigkeit? Um sich danach wieder dem Bruttosozialprodukt widmen zu können? Es gibt Leute, die das radikal ablehnen, der ordinäre deutsche Chef gehört dazu, aber auch der große Vladimir Nabokov, der Leute ordinär fand, „die ihre Zeitung beiseite legen, ihre lächerlichen Arme zusammenfalten und unversehens mit empörender Selbstverständlichkeit zu schnarchen beginnen“. Vermutlich fand er das aber nur, weil er selbst unter Schlafproblemen litt und den Leuten ihren guten Schlaf neidete – bloß hätte Nabokov das nie zugegeben, lieber machte er eine Kulturkritik daraus und stilisierte sich selbst zum rastlos Schaffenden.

Wie alt ist Nabokov eigentlich geworden? 78. Immerhin. Man wüsste gern, was er mit einem täglichen Mittagsschläfchen erreicht hätte.

Ganz anders Alfred Hitchcock. Er trank mittags einen halben Liter Champagner und schlief dann im Regiestuhl ein. Joel McCrea, Hauptdarsteller in „Foreign Correspondent“, erzählte, nach einer Szene habe er vergeblich auf des Meisters Ruf „Schnitt!“ gewartet. Er schlief schnarchend, „mit vorgeschobenem Mund“. Also rief McCrea selbst „Schnitt!“ Worauf der Regisseur erwachte und fragte, so McCrea: „‚Hat es etwas getaugt?’ Ich sagte: ‚Das war die beste Szene des Films!’ Und er sagte: ‚Die nehmen wir!’“

Übrigens wurde Hitchcock im selben Jahr wie Nabokov geboren, 1899, nur vier Monate später. Aber er ist, wie zu erwarten war, zwei Jahre älter geworden. 80.

Muss mich jetzt sofort wieder hinlegen. Könnte bitte jemand diesen Text zu Ende…

Natürlich nicht. Man ist eben nicht Hitchcock. Kein Regisseur. Niemand macht die Arbeit für einen wie mich. Wo ist der Kaffee? Er beugt Krebs vor, seine Bitterstoffe schützen vor Karies. Das ist auch etwas. Und in der „Welt“ lese ich nun, Doktor Wolfgang Harth vom Klinikum in Friedrichshain rate bei Frühjahrsmüdigkeit nicht zum Mittagsschlaf, oft könne man dann nachts nicht richtig schlafen.

Ich erhebe mich und mache weiter. Schon wieder hat eine Zeitungsmeldung mein Leben verändert.

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