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Unzureichende Aufarbeitung : Missbrauchsbeauftragter kritisiert katholische Kirche

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die katholische Kirche aufgefordert, sexuelle Gewalt an Kindern besser aufzuarbeiten. Die Bischofskonferenz weist die Kritik zurück.

Johannes-Wilhelm Rörig (CDU), Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung.
Johannes-Wilhelm Rörig (CDU), Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung.Foto: DPA

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat der Katholischen Kirche in Deutschland vorgeworfen, Fälle sexuellen Missbrauchs unzureichend aufzuklären. Für eine entsprechende Studie der Deutschen Bischofskonferenz hätten leider nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, sagte Rörig den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Aufarbeitung wird wohl noch zu oft als Gefahr für die eigene Institution gesehen", fügte er hinzu.

Diese Haltung mache deutlich, wie sehr Institutionen- und Täterschutz noch immer vor Opferschutz stehe. Es dürfe aber "nicht mehr nur um den Schutz und das Ansehen der Kirche gehen".

Um Missbrauchsfälle in Deutschland aufzuarbeiten, hatte die Deutsche Bischofskonferenz 2014 ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen Ende September im Rahmen der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden.

Bischöfe weisen Kritik zurück

"Es sind nicht nur Einzelfälle oder Einzeltäter - es sind immer auch strukturelle Probleme, die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ermöglichen", warnte Rörig. "Diesen Strukturproblemen muss sich die katholische Kirche auch in Deutschland stellen."

Die Deutsche Bischofskonferenz wies die Kritik des Missbrauchbeauftragten zurück. „Woher Herr Rörig die Information nimmt für seine Behauptung, dass nicht alle Bistümer dazu 'ihre Archive geöffnet' hätten, entzieht sich meiner Kenntnis“, erklärte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz am Freitag auf Anfrage in Bonn. „Ich jedenfalls habe dazu keine Anhaltspunkte“, so Bischof Stephan Ackermann weiter.

Rörig nannte die Missbrauchsfälle im US-Bundesstaat Pennsylvania "ein weiteres grausiges Beispiel" dafür, mit welcher Ohnmacht Kinder der immensen sexuellen Gewalt katholischer Ordensträger ausgesetzt gewesen seien. Es sei daher wichtig, dass in jedem Bistum und in jedem Orden aufgearbeitet werde - "auch proaktiv und nicht erst, wenn Betroffene sich zu Wort melden".

Laut einem am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsbericht haben im US-Bundesstaat Pennsylvania mehr als 300 katholische Priester über Jahrzehnte hinweg über tausend Kinder sexuell missbraucht. (AFP, epd)

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