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 Volker Wissing
© IMAGO/Emmanuele Contini

Wer hat’s erfunden?: Verwirrung um Urheber des 9-Euro-Tickets

Landläufig gilt das 9-Euro-Ticket als eine Erfindung der Grünen – war es aber gar nicht. Urheber war jemand anderes. 

Die FDP hat ein Kommunikationsproblem.  Wie groß es ist, zeigt die Urheberdiskussion über das 9-Euro-Ticket. Selbst in gut informierten Kreisen gilt es als Erfindung der Grünen.

Ein Beispiel: Vor wenigen Wochen setzten die Abgeordneten Felix Banaszak (Grüne) und Max Mordhorst (FDP) sich bei der „Zeit“ zum Streitgespräch zusammen. Die Interviewer fragten, welche Partei sich bei 9-Euro-Ticket und Tankrabatt durchgesetzt habe. Mordhorst antwortete: „Das 9-Euro-Ticket rechne ich mal den Grünen zu. Der Tankrabatt kam von uns, das hätte man ruhig mehr feiern können“.

Das ist mindestens missverständlich. Denn der Erfinder des 9-Euro-Tickets war nach Tagesspiegel-Informationen FDP-Verkehrsminister Volker Wissing. Es sei sein Vorschlag gewesen, bestätigte der Minister dieser Zeitung. Das selbst die eigenen Parlamentarier das offenbar nicht wissen (oder es bewusst nicht verbreiten wollen) zeigt das Ausmaß der Kommunikationsschwäche.  

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Wissing schlug das Ticket in Nachtsitzung vor

Es war eine Nachtsitzung des Koaltionsausschusses Mitte März, in der Wissing das Ticket vorschlug. Die Koalitionäre von SPD, Grünen und FDP berieten in dieser Nacht über weitere Entlastungen für die Bevölkerung. Wissing hatte sich bereits als Verkehrsminister in Rheinland-Pfalz ausführlich mit dem Öffentlichen Nahverkehr beschäftigt.

Wie er auf die Idee gekommen sei? „Ein großes Problem des ÖPNV waren die wahnsinnig komplexen Tarifstrukturen, und die sehr hohen Einstiegspreise. Im ländlichen Raum gab es teilweise Einzelfahrscheine über 10 Euro“, sagte Wissing dem Tagesspiegel. „Jahrelang dachte man trotzdem, man müsse nur die Taktung verbessern. Mein Vorschlag war, den ÖPNV erst einmal bezahlbar zu machen und Einstiegshürden abzubauen. Deswegen konnte ich dem Koalitionsausschuss diesen Vorschlag machen.“

An dem Morgen im März war es dann aber Grünen-Chefin Ricarda Lang, die das Ticket der Presse präsentierte. Finanzminister und FDP-Chef Christian Lindner hatte den Tankrabatt vorgestellt, dann trat Lang vor die Kameras.

Sie sagte: „Wir machen Bus- und Bahnfahren so billig wie es in Deutschland wahrscheinlich noch nie war, nach dem Prinzip neun für 90. Das heißt für 90 Tage, für drei Monate, wird es bundesweit Tickets für neun Euro im Monat für alle Bürgerinnen und Bürger, die das in Anspruch nehmen wollen, geben.“

Lindner war offenkundig kein Fan des Tickets

Warum Lindner die Vorstellung Lang überließ, darüber lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise war es eine bewusste Entscheidung von Lindner, der das 9-Euro-Ticket für sein Wählerklientel als weniger wichtig erachtete. Der FDP-Chef war kein großer Fan des Tickets, das wurde offenkundig, als er eine „Gratismentalität a la Grundeinkommen“ in Zusammenhang mit einer möglichen Nachfolgelösung beklagte. Das Nachfolgeticket sei „nicht nachhaltig finanzierbar, nicht effizient und nicht fair“.

Dass es nun trotzdem ein Nachfolgeticket gibt, ist wohl auch Wissing zu verdanken, der Lindner nach eigener Aussage davon überzeugte. Als die Ministerpräsidentenkonferenz es am Mittwoch beschlossen hatte, ließ Wissing es sich nicht nehmen, selbst vor die Kameras zu treten. „Mit dem heutigen Beschluss ist der Weg frei für die größte ÖPNV-Tarifreform in Deutschland“, sagte er. Dieses Mal soll für alle klar sein, aus welchem Kopf das Ticket stammt.

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