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Urlaubsparadies im Indischen Ozean : Machtkampf auf den Malediven spitzt sich zu

Die Regierung der Malediven will ein Urteil zur Freilassung inhaftierter Oppositioneller nicht umsetzen. Das sorgt für Unruhen im Inselstaat, der vom Tourismus lebt. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen.

Unruhen auf den Malediven: Polizisten nehmen einen oppositionellen Demonstranten fest.
Unruhen auf den Malediven: Polizisten nehmen einen oppositionellen Demonstranten fest.Foto: dpa/AP/Mohamed Sharuhaan

Auf den Malediven spitzt sich der Machtkampf zwischen Staatschef Abdullah Yameen und dem Obersten Gerichtshof zu: Wenige Stunden nach der Verhängung eines zweiwöchigen Ausnahmezustands wurden am Dienstag der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Abdulla Saeed, sowie ein weiterer Richter und der höchste Verwaltungsbeamte des Gerichts festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Sicherheitskräfte stürmten das Gerichtsgebäude in der Hauptstadt Malé. Die Polizei begründete die Festnahmen mit Korruptionsvorwürfen.

Die Regierung der Malediven hat einen 15 Tage langen Ausnahmezustand über den Inselstaat im Indischen Ozean verhängt. Grund dafür seien die wachsenden politischen Spannungen im Land, hieß es am Montag aus Regierungskreisen. Der Ausnahmezustand erlaubt es der Polizei und den Sicherheitskräften, strenger gegen Oppositionelle vorzugehen.

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Hauptstadt Malé ab. „Aufgrund der nicht absehbaren Entwicklung der angespannten politischen Lage wird Reisenden empfohlen, die Medienberichterstattung zu verfolgen, besonders vorsichtig zu sein und von nicht notwendigen Reisen nach Malé derzeit abzusehen“, hieß es in der Nacht zum Dienstag auf der Website des Auswärtigen Amtes. China und Indien rieten allgemein von Reisen in das Urlaubsparadies im Indischen Ozean ab.

In den vergangenen Tagen war es in der Hauptstadt Malé bereits zu Ausschreitungen zwischen Unterstützern der Opposition und der Polizei gekommen. Grund für die Unruhen im Land war ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der Malediven, das die Freilassung und Rehabilitierung mehrere Oppositionspolitiker, unter anderem von Ex-Präsident Mohamed Nasheed, anordnete. Die Regierung unter Präsident Abdulla Yameen weigerte sich bislang, das Urteil umzusetzen.

Bereits am Montag war Ex-Präsident Maumoon Abdul Gayoom festgenommen worden, wie seine Tochter Yumna Mauoon im Kurzbotschaftendienst Twittter mitteilte. Der Halbbruder des amtierenden Staatschefs Abdullah Yameen hatte sich auf die Seite der Opposition gestellt und für einen Sturz des Staatsoberhaupts geworben.
„Wir haben große Sorgen, dass die Weigerung der Regierung, das Urteil des Obersten Gerichtshofs umzusetzen, die zunehmende Polizeigewalt und die Militarisierung des Landes, zu Unruhen und Gewalt im ganzen Land führen könnten“, hieß es in einer Mitteilung der Oppositionskoalition.

Die 37 Unterzeichnenden forderten unter anderem Indien, Sri Lanka, die USA, Großbritannien, die EU und verschiedene internationale Nichtregierungsorganisationen zur Hilfe auf.

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Die Unruhen im Land wirken sich auch auf den Tourismus in dem Urlaubsparadies aus. (dpa)

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