Warum Neckermann, Quelle, Schlecker und Co. nicht der Auftakt zu einer neuen Krise sind

Seite 2 von 3
Ursula von der Leyen : „Die Frauenquote trägt dazu bei, unseren Wohlstand zu sichern“
Die stellvertretende CDU- Bundesvorsitzende streitet energisch für eine gesetzliche Frauenquote, obwohl das in der Bundesregierung viele ablehnen.
Die stellvertretende CDU- Bundesvorsitzende streitet energisch für eine gesetzliche Frauenquote, obwohl das in der Bundesregierung...Foto: Mike Wolff

Sie plädieren dafür, die Integration Europas voranzutreiben. Sind die Deutschen bereit, Souveränität an Europa abzugeben?

Wir können dadurch gewinnen. Schon jetzt sind wir die Profiteure Europas. Nehmen sie das Schengen-Abkommen. Wir haben Souveränität an die Außengrenzen der EU abgegeben und die Erfahrung hat uns gelehrt: Wir haben mehr Sicherheit gewonnen. Wenn wir in Zukunft eine starke Euro-Zone haben wollen, dann müssen wir gemeinsame Regeln der Haushaltsführung erarbeiten und Europas Wirtschaft widerstandsfähig machen.

Lässt das Grundgesetz die Souveränitätsübertragung, für die Sie plädieren, zu?

Das Grundgesetz hat eine wunderbare Präambel. Darin heißt es, das deutsche Volk sei von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen. Das ist ein großer Gedanke. Unsere Gründungsväter und -mütter haben das weitsichtig angelegt. Der Spielraum des Grundgesetzes ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Deutsche Unternehmen spüren die ersten Krisenfolgen. Bereiten Sie sich auf die Möglichkeit vor, dass die Konjunktur deutlich eintrübt und wir mehr Arbeitslose bekommen?

Wir beobachten den Arbeitsmarkt sehr wachsam. Trotz der Risiken im Euro-Raum und dem unsicheren Umfeld, ist er nach wie vor in allen Daten robust und widerstandsfähig – aber die Dynamik lässt nach. Wir sind durch die Erfahrungen der letzten Krise gut gerüstet. Wir verfügen über bewährte Instrumente, die wir jederzeit abrufen können, etwa das Kurzarbeitergeld. Und noch etwas: Wir haben sehr genau geprüft, ob die Krisenmeldungen aus den Unternehmen Neckermann, Quelle, Schlecker Symptome für eine Trendwende sind. Die Tiefenanalyse hat gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: Der Handel wächst. Die Probleme liegen in den Unternehmen selber.

Dissonanzen in der Koalition gibt es nicht nur im Hinblick auf das Schicksal Griechenlands. Ein weiteres Streitthema ist die Frauenquote für börsennotierte Unternehmen. Warum halten Sie an diesem Vorschlag so entschieden fest?

Trotz vieler freiwilliger Verpflichtungen in der Vergangenheit hat sich in der Konzernrealität fast nichts bewegt. Es ist eigentlich absurd, dass wir im Jahr 2012 bei einer so gut ausgebildeten weiblichen Bevölkerung, mit so brillanten Fachkräften am Arbeitsmarkt noch diskutieren müssen, ob ein Bruchteil der relevanten Führungspositionen in Vorstand und Aufsichtsrat mit Frauen besetzt wird.

Sie nennen die Realität absurd, aber die Koalition ist sich auch nicht einig …

Es geht nicht nur um die Politik. Ich verlange eine Erklärung dafür, warum die deutschen Unternehmen sich eigentlich so weit unter Wert aufstellen. Wir wissen aus internationalen Erfahrungen, dass divers zusammengesetzte Führungsebenen bessere Ergebnisse erzielen. Das liegt nicht daran, dass Frauen besser sind, sondern dass sie anders sind. Der vielfältige Blick auf Risiken und Entscheidungen führt zu besseren Ergebnissen – im Umsatz, bei den Arbeitsplätzen, aber auch im Börsenwert. Das ist eine Sprache, die die Wirtschaft eigentlich verstehen sollte. Ich finde, es ist an der Zeit, dass sich die Wirtschaft ganz oben in der Führung optimal aufstellt.

Seite 2 von 3 Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

45 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben