US-Konflikt mit Nordkorea : Möglich, aber nicht unausweichlich

Im Konflikt mit Nordkorea droht Trump weiter mit einem Militärschlag und hofft auf andere Lösungen.

Schärfere Sanktionen. Nach dem neuen Atomtest will US-Präsident Donald Trump Nordkorea mit einem Ölembargo belegen und die Vermögen des Machthabers Kim Jong Un im Ausland einfrieren.
Schärfere Sanktionen. Nach dem neuen Atomtest will US-Präsident Donald Trump Nordkorea mit einem Ölembargo belegen und die...Foto: Kevin Lamarque/Reuters

Seoul/Washington - US-Präsident Donald Trump sieht eine militärische Option im eskalierenden Konflikt mit Nordkorea nicht als unausweichlich an. Eine andere Lösung sei besser, sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. „Ich würde es bevorzugen, nicht den militärischen Weg zu gehen. Aber das ist sicher etwas, was passieren könnte“, sagte Trump. Südkorea rechnet damit, dass Nordkorea schon bald weitere Raketentests unternehmen könne. Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon spekulierte am Freitag, dass dies am Staatsgründungstag des Landes am Samstag erfolgen könne. Ob es konkrete Hinweise für solch einen Raketenstart gebe, sagte er nicht. „Pjöngjang setzt den Schwerpunkt vorerst darauf, die Entwicklung von Atomwaffen und ballistischen Raketen zu vervollständigen, erst dann wird es vermutlich verhandeln“, wurde Cho von der Zeitung „The Korea Times“ zitiert.

Die Führung in Pjöngjang hatte am Sonntag nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe testen lassen, mit der eine Langstreckenrakete bestückt werden kann. Der sechste und bisher größte Test seit 2006 war ein klarer Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Die USA wollen das Land deshalb mit einem Ölembargo belegen und die Vermögen des Machthabers Kim Jong Un im Ausland einfrieren. Das geht aus einem Resolutionsentwurf hervor, den die USA bei den UN vorlegten. Eine Abstimmung darüber ist für Montag geplant. Der Termin kann sich noch verschieben.

25 Jahre „reden, reden, reden“ hätten in dem Streit über eine atomare Bewaffnung Nordkoreas nichts gebracht, sagte Trump. „Nordkorea benimmt sich schlecht, und es muss damit aufhören.“ Das US-Militär sei das stärkste überhaupt und habe „wunderschöne“ Waffen. „Wenn wir sie jemals gegen Nordkorea einsetzen müssen, wird das ein trauriger Tag für Nordkorea.“

Russland sperrt sich gegen die US-Forderung nach schärferen Sanktionen. Während China und Deutschland bei aller Dialogsuche schärfere Sanktionen grundsätzlich unterstützen, forderte der Kremlchef Wladimir Putin, das isolierte Nordkorea durch Zusammenarbeit in die internationale Gemeinschaft einzubinden. Putin warnte die USA davor, sich von Nordkorea provozieren zu lassen. „Alles, was derzeit passiert, ist natürlich eine Provokation“, sagte er. Die nordkoreanische Führung sei nicht dumm: Sie rechne mit einer bestimmten Reaktion und erziele sie auch. „Warum machen sie da mit?“, fragte der Kremlchef in Richtung Washington. Nordkorea sehe seine Atomwaffen als einzigen Schutz und werde sie nicht abgeben.

Die mexikanische Regierung erklärte den nordkoreanischen Botschafter Kim Hyong Gil am Donnerstag zur unerwünschten Person und gab ihm 72 Stunden Zeit, das Land zu verlassen.

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Nach Ansicht eines der führenden Nordkorea-Experten will Nordkorea auf jeden Fall verhandeln. Dies sagte Rüdiger Frank, Leiter des Ostasieninstituts der Universität Wien, der Nachrichtenagentur dpa. „Das Atomprogramm ist ja kein Selbstzweck. Es soll Nordkoreas Verhandlungsposition stärken, um Kim Jong Uns eigentliche Ziele zu erreichen“, sagte Frank. Dazu gehöre an oberster Stelle langfristig eine koreanische Wiedervereinigung in Form einer Konföderation. „Auf dem Weg dahin will Nordkorea einen Friedensvertrag mit den USA, eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen mit Washington und vor allem den Zugang zum Weltmarkt für Güter und Finanzmittel“, erklärte der Nordkorea-Experte weiter. Als nächstes stehe der Aufbau der nordkoreanischen Wirtschaft auf dem Plan. „Für all das sieht Kim Jong Un jedoch eine glaubwürdige atomare Abschreckung als die Ausgangsvoraussetzung an, und darum verfolgt er dieses Ziel auch so beharrlich.“ dpa

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